Interview mit Hilmar Örn Hilmarsson von Ásatrúarfélagið

Von Dr. Karl Erik Seigfried
Norse Religion Faculty
Carthage College
aus dem Englischen übersetzt von A. Zautner

Hilmar Örn Hilmarsson trat der Isländischen Asaglaubensgemeinschaft (Ásatrúarfélagið) im Alter von sechzehn Jahren, unmittelbar nach deren Gründung 1972, bei. Seit 2003 ist er als Allsherjargoði (grob übersetzt als Hohepriester) für die heidnische Religionsgemeinschaft, welche von der isländischen Regierung offiziell 1973 anerkannt wurde, tätig. In dieser Rolle hat er u.a. interreligiöse Veranstaltungen mit dem tibetischen Dalai Lama und der Reykjaviker Freikirche geleitet.

Abb. 1: Hilmar Örn Hilmarsson und Karl E. H. Seigfried in Reykjavík am 5. Juli 2010

Während Hilmarssons Amtszeit als Allsherjargoði, hat sich das Ásatrúarfélagið in einer Reihe von fortschrittlichen Projekten engagiert. So trat die Gemeinschaft unter anderem für das Recht homosexueller Paare zu heiraten ein. Das Ásatrúarfélagið setzte sich vor allem für Umweltprojekte ein, wie zum Beispiel für die Wiederaufforstung Islands zusammen mit dem Isländischen Forstverband. Im Jahre 2003 errichtete Hilmar Örn Hilmarsson eine Níðstöng (Fluchstange) gegen das Kárahnjúkar-Wasserkraftwerk. 2011 hat er sich mit anderen Vorsitzenden von Religionsgemeinschaften zusammengetan um eine Verfassungsänderung einzuleiten, die den Sonderstatus der Isländischen Staatskirche beendet.

Hilmarssons Kariere als professioneller Musiker begann in den 1970er Jahren. Zu der Zeit spiele er in die Stücke verschiedener Bands Drum- und Synthesizerspuren ein. Über die letzen Jahrzehnte arbeitete er mit Björk Guðmundsdóttir, Current 93, Grindverk, Psychic TV, Sigur Rós, Þeyr und vielen anderen zusammen. Er komponierte Soundtracks für über 25 Filme, u.a. für den Oscar-nominierten und mit dem europäischen Filmpreis ausgezeichneten Film Children of Nature - Eine Reise (Börn náttúrunnar, 1991) und die kraftvolle Musik für Beowulf und Grendel (2005.) Seit 2007 unterrrichtet er Kompositionslehre an der isländischen Akademie der Künste.

Dr. Karl E. H. Seigfried (KS) vom Norse Mythology Blog interviewte Hilmar Örn Hilmarsson (HÖH) in Reykjavík am 23. Juni 2010. Dies ist Hilmarssons erstes Interview über Nordische Mythologie und Religion in englischer Sprache (Anm.:, das uns hier in deutscher Übersetzung vorliegt).


KS: Im Jahr 2002 komponiertest Du für die Band Sigur Rós ein Stück mit dem Namen Hrafngaldr Óðins (Wodans Rabengalster), daß ihr später auch zusammen aufgeführt habt. Könntest Du das Stück genauer beschreiben!

HÖH: Hrafngaldr Óðins ist ein Lied, das bis 1864 als Teil der Eddas angesehen wurde, bis der Norwegische Gelehrte Sophus Bugge entschied, daß es ein spätere Nachahmung war. Dies war kurz nachdem der große Schwindel mit den Gesängen des Ossians (Einer angeblichen Figur der gälischen Mythologie) aufflog, die in Wirklichkeit der Schotte James MacPherson vollständig selbst verfasst hatte. Ich glaube Bugge wollte hier etwas Ähnliches tun. Seine ganze Argumentation beruhte darauf, daß das Lied nur in späteren Papiermanuskripten enthalten war, was einem natürlich suspekt vorkommen kann, aber ein großer Teil der Eddalieder kommt auch nur in späteren Manuskripten vor. Nicht alle sind Teil des Codex Regius oder des Flateyjarbóks. Wenn man das Ganze von einem linguistischen Standpunkt aus betrachtet ist das Lied wesentlich älter als Bugge es vermutete. Wahrscheinlich ist es aus dem 12. Jahrhundert, bestenfalls aus der Zeit zwischen 1000 und 1200.

Es ist eine Nachahmung, einer sehr seltsame vor allen Dingen, denn es erwähnt Mythen, die nur in diesem Lied vorkommen. Es basiert auf wesentlich älterem Material, und es ist ausgesprochen interessant. Ich glaube der Anfang und auch das Ende fehlen, denn es endet sehr unvermittelt. Dieses Lied ist besonders schön, seine Sprache ist wundervoll. Es besitzt diese ausdruckstarke Symbolik. Alles ist im Fallen oder geht zugrunde. Es benutzt ständig diese wundervollen Metaphern und Symbole, die ausdrücken, daß sich alles im Niedergang befindet. Die Welt beginnt von Norden nach Süden zu gefrieren. Die Götter sind nur am feiern und zu betrunken um zu merken was wirklich vor sich geht.

Ich bin seit über 30 Jahren total verrückt nach diesem Gedicht. Vor zehn Jahren entschied ich mit diesem Lied etwas zu machen und damit beim Reykjaviker Festival der Künste aufzutreten. Damals begann ich mit Sigur Rós zusammenzuarbeiten. So entschied ich: Gut, laßt uns ein Gemeinschaftsprojekt mit Steindór [Andersen] unter Verwendung von Chor und Orchester starten. Das Ergebnis kann man hier sehen: http://www.youtube.com/watch?v=TRQ2WwiMndY (Man beachte das Marimbaphon aus Steinen und Hölzern!)

Film 1: Odins Raven Magic - Kapitel 3

KS: Dieses Lied ist in keiner der modernen Eddaübersetzungen enthalten.

HÖH: Man findet es nur in alten ost-deutschen Ausgaben, weil es in Deutschland nie herausgeworfen wurde. Nach Bugges Vorwurf, eine Nachdichtung zu sein, wollte es niemand in Skandinavien und im Rest der Welt verwenden.
Doch ich nutzte es im Jahre 2002 um einen unserer Wissenschaftler, Jónas Kristjánsson, in die Öffentlichkeit zu bringen. In unserer wundervollem Island-Abteilung des Árni-Magnússo-Institutes haben die alten Wissenschaftler eine Art Monopol über bestimmte Dinge, und die Jungen warten bis sie ihre Abschlüsse beendet haben. Jónas berichtete mir bereits 1962, dass er über diesem Lied forsche, was bedeutete, daß es für jeden anderen außer Reichweite war. Im Jahr 2002 war Jónas bereits verrentet und gut in seinen 80'ern. Er hatte bis dahin nicht ein einziges Wort veröffentlicht. Ich nutzte dies, um auf ihn einzuwirken und sagte Jonas, bring es einfach raus...!

KS: Er veröffentlichte nichts seit 1962?

HÖH: Doch, Hah! Eigentlich veröffentlichte er schon etwas. Er schrieb einen ganz kurzen Artikel. Doch nun haben wir eine dänische Wissenschaftlerin, die jetzt mit viel radikaleren Schlussfolgerungen herauskommt. Sie glaubt, daß der Rabengalster ein sehr altes Gedicht ist. Dann gibt es da noch einen italienischen Wissenschaftler, der auch an dem Lied forscht. Momentan gibt es sehr viele Menschen, die das Gedicht untersuchen. Wie Jónas mir erklärte gibt es eine sogenannte Eddica Minora - eine kleine Edda, mit Gedichten aus den Heldensagas. Nächstes mal, wenn diese verlegt wird, wird Hrafngaldr darin enthalten sein.

KS: Ich habe gelesen, daß du dich für Aleister Crowley interessierst. Glaubst du es gibt eine Wesensverwandtschaft zwischen seinem Ideen und denen des heutigen Æsir-Glaubens - Ásatrú.

HÖH: Es gibt bestimmte Parallelen, aber ich glaube er hielt irgendwie nach den falschen Göttern Ausschau. Er landete letztendlich in Ägypten und machte Dinge auf Pidgin-Ägyptisch, natürlich auf der Grundlage griechischer und römischer Quellen. An irgendeiner Stelle, so scheint es, hat er aufgehört die alte skandinavische Mythologie zu lesen. Man kann jedoch eindeutig an seiner ersten Ausgabe von 777 erkennen, daß er dies anfänglich getan hat. Außerdem gibt es diesbezüglich einen gewissen Nachhall: Zum Beispiel der Abschnitt Als Brüder sich bekämpfen (As brothers fight ye!) im Buch des Gesetzes (The Book of the Law) erinnert an Bræðr muno beriaz oc at bönum verðaz (Brüder sollen einander bekämpfen und beide werden fallen) aus der Völuspá (Weissagung der Wala).

Wahrscheinlich gibt es einen vielmehr unbewussten Einfluß von Aleister. Ich interessierte mich für ihn, weil er sehr klar Rituale beschrieb und er versuchte die östlichen und westlichen Systeme zusammenzuführen. Ich glaube auf irgendeine Weise kann er eine Quelle der Inspiration sein. Aber schlussendlich war er ein gescheiterter Lehrer. Man kann sehr gut aus seinen Fehlern lernen. Er war sehr erfolgreich im Schreiben über seine Fehler. Es ist ein wirklich schöner Weg zu lernen: Wandle nicht auf dieser Straße, denn sie endet in Tränen. - Hah!

KS: Ich hörte zuerst von Wilhelm Reichs orgonen Theorien in dem Lied Orgone Accumulator von Robert Calvert (1972 aufgenommen von Hawkwind) und in der Szene aus Auf der Straße (On the Road), in welcher Jack Kerouac William S. Burroughs besucht, der gerade einen orgonen Akkumulator baut. Berichte doch über deinen Verein Miðgarður und inwiefern er mit Reichs Ideen zu tun hatte?

HÖH: Es war vielmehr eine informelle Geschichte. Ich lernte eine wirklich nette Person namens David Boadella kennen. Er war ein Psychotherapeut, der eine Biografie über Wilhelm Reich verfasste. Er wollte ein Trainingsprogramm hier in Island etablieren... So etablierten wir es eben und veranstalteten Kurse. Es kamen interessante Leute aus England und aus aller Welt - wirklich - sie kamen hierher, hielten Vorträge und unterrichteten. Ich durchmachte eine regelrechte Reichsche Phase in meiner Jugend. Ich glaubte, daß diese Ideen wirklich interessant sind. Er war einfach ein weiterer Verrückter, den ich mit Abstand betrachtet wirklich mag. - Hah!

KS: Du hattest in den 1980er Jahren eine Band, die sich Nyarlathotep's Idiot Flute Players nannte. Der Name geht auf H.P. Lovecraft zurück, dessen Werke die traditionelle Folklore Neu-Englands und die progressive Wissenschaft seiner Zeit mit der nostalgischen Sehnsucht nach verstrichenen alten Zeiten und vergangenen Lebensweisen vermischten. Seine Schriften scheinen ein vorausschallendes Echo des Ásatrúarfélagið zu sein, mit seinem ökologischen Verantwortungsbewusstsein und seiner Kombination aus moderner Weltsicht und einem sehr alten System.

HÖH: Lovecraft war ein seltsamer Character, wirklich - noch ein trauriger Verrückter. Hah! Er ist wirklich interessant, vor allem seine Korrespondenzen. Insbesondere sein Austausch mit Robert E. Howard begeisterte mich. Ich glaube wenn Howard heute leben würde, und es geschafft hätte bei seiner Mutter auszuziehen, dann würde er wahrscheinlich ein Ásatrúar sein. Hah! Ich glaube Howard hatte zum Teil richtige Wissenschaft betrieben aber natürlich war Einiges was er tat verrücktes Zeug. Es ist offensichtlich, daß er Blavatsky las und einige ihrer Ideen erscheinen in seinen Werken. Hyperborea z.B. stammt von Blavatsky.

KS: Siehst Du das heutige Ásatrú auf Island als Fortsetzung einer lebendigen Tradition, die in alte Zeiten zurückreicht, als Neubegründung und Wiederbelebung einer Praxis die einst verendete, als Nachkommen des nationalromantischen Mystizismus', als Ablehnung der Moderne in der Nachkriegszeit oder als Nach-1960er-Gegenkulturbewegung.

HÖH: Ich glaube, daß es wahrscheinlich ein wenig von all diesen Dingen ist. Die genannten Dinge scheinen zumindest auf eine gewisse Resonanz in der isländischen Bevölkerung gestoßen zu sein. Die alten Lieder sind jedoch nie vollkommen verklungen. Sie wurden wie ein Schatz aufbewahrt, sei es in der mündlichen Überlieferung oder in der Niederschrift. Ich bin ziemlich sicher, daß die Menschen in den Lehrstuben von Oddi, Reykholt und auch anderswo Ovid und die römischen mythologischen Überlieferungen lasen, und dann feststellten: Oh mein Gott, wir haben all diese Dinge hier und sie sind eine lebendige pulsierende Sache. Und das ist auch das, was mein Urgroßvater schon glaubte. Ich denke diese Dinge waren niemals völlig verschwunden.

Es wird gesagt, daß man nach der Bekehrung im Jahre 999 oder 1000, die alten Götter nur noch im Geheimen verehren konnte. Das ist jedoch nur zum Teil richtig. Die Menschen verehrten für mindestens zwei weitere Jahrhunderte die alten Götter im Geheimen. Ich glaube nicht, daß sie jemals vollständig verschwanden. Um dies zu veranschaulich: Gestern traf ich diesen alten Mann in einem Laden. Er kam zu mir herüber und schüttelte mir die Hand, und dann erzählte er mir, daß bei seiner Konfirmation in den 1920er Jahren seine Großmutter zu ihm kam und im eine Edda mit den Worten: Du solltest das lesen, weil es das ist, woran wir auch glauben überreichte. Sie dachte Christentum ist okay, aber du solltest nicht deine Wurzeln vergessen. Hah! Ich glaube das ist eine richtig gute Geschichte...

Das ist auf irgendeine Art auch die Weise in der ich groß geworden bin. Mein Vater erwischte mich beim lesen eines Supermann-Heftes. Darauf drückte er mir die Grettis Saga in die Hand und sagte: Heh, das ist der wirkliche Supermann. Wir haben etwa 380 Sprichwörter aus dieser Saga, die bis heute in der modernen isländischen Sprache benutzt werden. Vieles von dem Saga-Stoff ist immer noch Teil unseres alltäglichen Sprachgebrauchs. Wir können Zeilen aus den Liedern des Hohen (Hávamál) auf Grabsteinen christlicher Friedhöfe finden. Das ganze ist kulturell so tief verwurzelt, daß wir dem Ganzen gar nicht wirklich entkommen können.

Abb. 2: Die Sveinbjörn-Beinteinsson-Gedenkstätte in Reykjavík am 26. Juli 2010

Ich bin mir ziemlich gewiß, daß viele Menschen, wie Sveinbjörn Beinteinsson (Ásatrúarfélagið-Allsherjargoði von 1972 bis 1993) mit einem, wie wir sagen, milden Christentum groß geworden sind. Es wurde ihnen beigebracht die Natur wertzuschätzen in einer Weise, wie sie von Generation zu Generation über Jahrhunderte weitergegeben wurde.

Ich glaube, daß es eine ungebrochene Tradition der Denkweise gibt, da die alten Lieder niemals verschwunden sind. Sie wurden immer gehegt. Wenn man auf eine Liste von den Dingen blickt, die die Leute mit sich nahmen als sie in Massen nach Amerika auswanderten, sieht man, daß sie ihre Eddas und Sagas mit sich nahmen. Dies sind auf den Bücherlisten wirklich die häufigsten Dinge, die sie mit sich nahmen.

Natürlich mochten wir die Aufmerksamkeit, die uns zuteil wurde, als im 19. Jahrhundert die Gebrüder Grimm die germanische Mythologie, die zu 99% aus isländischen Quellen stammt, neu erfinden wollten. Auch wenn sie mit einigen findigen etymologischen Ideen z.B. über Forseti, den sie mit Forsete und Forseteslant in Deutschland in Verbindung brachten, herauskamen. Im Grunde genommen waren alles was sie hatten linguistische Versatzstücke und der eigentliche Kern des ganzen sind die isländischen Quellen. Das gleiche gilt für Richard Wagner als er seinen Ring des Nibelungen schrieb. Achtzig Prozent von dem, was er verarbeitete stammt aus isländischen Quellen. Das Nibelungenlied war nur eine Umkleidung.

KS: Ich erinnere mich daran, daß ich enttäuscht war, als ich zu Kindeszeiten eine Übersetzung des Nibelungenliedes las. Mein Vater hat mir die Deutschen Heldensagen erzählt, über Siegfried der in dem Drachenblut badete usw. Beim Lesen des Nibelungenliedes wartete ich auf das Erscheinen von Wodan und dem Drachen, aber es war in Wirklichkeit mittelalterlich-christliche Epik. Es gibt fast keine germanische Mythologie in Wagners Opern.

HÖH: Ja, es gibt ein wundervolles Buch von Árni Björnsson über Wagner und die Wälsungen. Er hat ernsthafte Wissenschaft über Wagners Quellen betrieben. Auch neuere Wagnerbiografien haben nur Spott für die Idee übrig, dass Wagner die isländischen Quellen wirklich studiert hat. Man kann jedoch an seinem Büchernachlass erkennen, daß er sich gewissenhaft mit den Eddas beschäftigt hat, da er dort etliche Notizen hinterließ.

Natürlich ging dieses ganze völkische Ding zu weit. Deutschland brauchte eine Identität und Einigkeit. Ich glaube Jakob Grimm war ein Romantiker, aber auf der anderen Seite gab es noch diese Wahnsinnigen - Lanz von Liebenfels und diese Leute, die es bis zu einem wirklich schändlichen Ende trieben und das ganze Ding verbogen und zerstörten.

KS: Vieles von dem, was heutzutage über Runen und Runendeutung veröffentlicht wird, scheint auf Guido von List zu basieren...

HÖH: Ja.

KS: ...und anderen Mystikern des 19. Jahrhunderts...

HÖH: Ja.

KS: ...und dies verknüpft die Sache nur sehr wenig mit den eddischen Quellen.

HÖH: Nein, wirklich nicht. Es ist Schrott. Ich habe einige wirklich kranke deutsche Bücher wie Baldur und die Bibel, das unter anderem beweisen will das Christus nur eine Umformung von Baldur ist.

Es ist ganz klar, daß was sie getan haben, diese so genannten Ariosophen, war zu behaupten: Wir haben Alles erfunden. Wir haben Yoga erfunden... darauf kamen sie mit dieser seltsamen Runen-Gymnastik an (in der Runenformen nachgestellt werden). Oder, die Inder haben ihre Mantras, aber wir können es ihnen gleich und FFFFFFF-feh und UUUUrrrrr intonieren. Sie haben einfach versucht zu beweisen, daß schlichtweg alles von ihnen kommt. Hah!

Es gibt da all diese abstrusen Dinge. Die letzte Posse ist diese alte norwegische Kampftechnik, die man Stav nennt. Im Prinzip ist das Aikido in einer norwegischen Verkleidung. Hah!

KS: Diese Woche sah ich die architektonischen Pläne für den Ásatrúarfélagið-Hof (Tempel). Wenn dieser erst gebaut ist, wird er der größte und modernste Ásatrú-Tempel auf der ganzen Welt sein. Die daraus resultierende Medienaufmerksamkeit wird definitiv den Bekanntheitsgrad der Religionsgemeinschaft erhöhen, sowohl lokal als auch national und international. Was glaubst du, wie wird sich diese Art von Aufmerksamkeit auf Ásatrúarfélagið auswirken?

HÖH: Sie wird uns ein wenig in ein Dilemma stürzen. Wir, Sveinbjörn Beinteinsson und ich, entschieden uns Mitte der 1980er Jahre, daß wir alle Verbindungen zu ausländischen Ásatrú-Gruppen kappen wollen, denn wir hatten ziemlich schlechte Erfahrungen mit einer deutschen Gruppe gemacht, die oberflächlich einen wirklich guten Eindruck machte, aber sich bei näherer Betrachtung als brutale Nazi-Vereinigung entpuppte. Dann war da eines unserer älteren Mitglieder, ein wirklich netter Mann aber mit einem seltsamen Chip in seiner Schulter, wenn das Thema Rasse zur Sprache kam. Er machte einige Äußerungen im Namen des Ásatrúarfélagið und tauschte sich mit einigen Leuten über rassistische Themen aus. So sahen wir uns gezwungen unsere Kontakte zu ihm gleichfalls zu kappen, ihn rauszuschmeißen und in den Berg zu werfen (wie man bei uns sagt.) Im Prinzip hasse ich es, so was zu tun, weil er eigentlich ein netter Mensch war, aber das war ein zu großes Problem. Ich denke wir sollten uns in keinerlei Weise mit rassistischer Politik abgeben.

Ich glaube was wir auf jeden Fall tun müssen, ist ein gutes Beispiel abzugeben, wie wir es in Dänemark taten. In Dänemark wurde die heidnische Gemeinschaft (Forn Siðr) staatlich anerkannt. Sie haben viele ihrer Ideen von uns übernommen, denn eines ihrer Gründungsmitglieder, Óttar Ottósson, war bzw. ist Ásatrúarfélagið-Mitglied. Er lebte für etwa 20 Jahre in Dänemark. Óttar hatte einen guten Einfluß auf die Entwicklung dort.

Wir hatten auch norwegische Ásatrú-Vereine, die unserem gemeinsamen Ziel folgten, doch diese wurden von Rechtsextremisten infiltriert und übernommen. Das gleiche gilt für Schweden. Das ist das Schlimme an den Norwegern. Ich denke die Norweger haben einen Gewissen Sinn für Humor verloren. Hah! Es gibt da diese jungen Death-Metal-Rocker, die ernsthaft glauben Ozzy Osbourne ist ein Satanist und, daß das Abbrennen einer Stabkirche, was höchst wahrscheinlich einem heidnischen Hof am nächsten kommt, ein tolle heidnische Tat ist. Hah!

Abb. 3: Hilmar Örn Hilmarsson an der Stelle des zukünftigen Ásatrú-Hofs (Tempels) in Reykjavík am 26. Juli 2010

KS: Deine Rolle als Allsherjargoði scheint sich sehr von der anderer religiöser Autoritäten in der westlichen Welt zu unterscheiden. Du formulierst keine Doktrin oder verschaffst keiner Doktrin Geltung und du definierst keine spezifische Theologie. Wie würdest du deine Rolle beschreiben?

HÖH: Das ist das gute am Polytheismus im Vergleich zum Monotheismus. Monotheismus bedeutet eine Wahrheit für die Massen, während Polytheismus viele Wahrheiten für die Individuuen bedeutet. In einer bestimmten Weise ist es quasi das Gegenteil. Im Prinzip kann man jeder Zeit an jeden Gott und jede Göttin glauben, wie es einem beliebt. Du kannst am Montag Morgen ein Bedürfnis nach Frija verspüren, während Donar für dich Dienstags Abend essentiell erscheinen mag. Niemand kann dir das beibringen. Du mußt es selbst herausfinden.
Ich glaube, daß meine Rolle darin besteht, den Menschen Respekt gegenüber unserem wundervollen Erbe beizubringen. Das klingt vielleicht erschreckend einfach, aber es ist wirklich ein gangbarer Weg sich ethisch zu verhalten. Ich denke die Hávamál enthalten eine menge Lehren, die heute genauso unverzichtlich sind wie sie es vor tausend Jahren wahren. Sie sind ein Gegenstück zu den Weisheiten des Konfuzius in China, die immer noch der beste Leitfaden sind, um danach zu leben.

Wir haben keine offenbarte Weisheit und es handelt sich nicht um eine offenbarte Religion. Wir kennen keine absolute Wahrheit, die in Stein gemeißelt wurde, wie im Judaismus oder Christentum und später auch im Islam. Es liegt einfach mehr an uns selbst, wirklich.

KS: Ich habe neulich einen Bericht gelesen, in dem die vier Ásatrúarfélagið-Gründer als Poet, Hippie, Theosoph und Nýallist beschrieben wurden. Glaubst du, daß sich diese Elemente in euerer Vereinigung auch heute noch widerspiegeln?

HÖH: Ich glaube wir haben uns weiterentwickelt. Die Dinge haben sich bereits unter Sveinbjörn Beinteinsson (Allsherjargoði 1972-1993) deutlich weiterentwickelt. Natürlich hat auch Jörmundur Ingi Hansen (Allsherjargoði 1994-2002) deutlich zu dieser Entwicklung beigetragen. Jörmundur war sehr talentiert im Umgang mit der Presse. Das mediale Interesse war anfänglich im Vergleich zu unserer Mitgliederzahl deutlich überproportioniert. Ich trat der Vereinigung, elf Monate nachdem sie offiziell anerkannt wurde, bei. Ich war das 36. Mitglied. Für ganze zwei Jahre habe ich damit gewartet mein erstes Blót durchzuführen, wobei wir eigentlich auch nicht wirklich solange gewartet haben. Halldór Bragason, der nun zum Vorstand gehört, und ich bildeten über Jahre die Vereinsjugend. Hah!

Sveinbjörn sagte, daß er seine Idee von der Ásatrúarfélagið-Gründung bereits in den frühen 1960er Jahren hatte. Er dachte sich: Das ist mein Weg. Daran glaube ich. Als dann zu Beginn der 1970er Jahre die so genannten Kinder Jesu nach Island kamen. Es handelte sich hierbei, wie sich später herausstellte, um eine christliche Sekte, die von einem Mann gegründet wurde, der sich selbst Moses David nannte und der ein wirklich seltsamer - wirklich kranker Charakter war. Er schickte junge Menschen auf die Straße um Faltblätter zu verteilen und sie sagten Sachen wie: Komm zurück zu Jesus. Sveinbjörn sah das, und sagte sich: Warum kommen diese Jungendlichen aus dem Ausland zu uns, um uns zu erzählen, daß wir zu Jesus zurückkehren sollen? Warum können wir ihnen nicht einfach entgegnen: Geht zurück zu Donar und Wodan? Dies inspirierte ihn auf eine bestimmte Weise.

Die Nýall-Theorie stammte ursprünglich aus einer seltsamen Buchserie von dem isländischen Geologen, Helgi Pjeturss, der auch verrückt war. Hah! Total verrückt. Wenn du irgendwann mal bei mir vorbeikommst, muß ich dir unbedingt seine Eddaausgabe zeigen. Er hat in seinen Randnotizen einige wirklich seltsame Dinge vermerkt. Helgi war in einer gewissen Weise eine brillante Person, die wahrscheinlich die beste isländische Prosa von allen verfasst hat. Unser Nobelpreisgewinner, Halldór Kiljan Laxness, sagt, daß seine Schriften absolut fantastisch sind. Er verwendet ihn als Charakter in einem seiner Bücher.

Helgi hatte die Idee, daß wir, wenn wir schlafen, das Leben eines Anderen auf einen anderen Planeten leben. So daß das, was wir träumen unser Leben auf einen anderen Planeten ist. Es gibt da eine ganze Gemeinschaft von Leuten, die sich seit Jahrzehnten treffen. Viele von ihnen kommen aus der Gegend des Borgarfjörður wo Sveinbjörn groß geworden ist. Heutzutage ist es eine schwindende Gemeinschaft, die sich ihrer Exzentrik schämt. Sie führten jeden Donnerstag diese Séancen durch, in denen sie den Krebsnebel kontaktierten und zu Dr. Helgi sprachen, der dort Isländisch unterrichtete. Eines der Dinge, die er unterrichtete war, daß Isländisch die perfekteste Sprache in der Welt ist, so daß sie nun in der gesamten Milchstraße unterrichtet wird.
Das war wirklich toll. Ich ging einmal dorthin und ein Medium sagte: Donar ist hier, und Helgi ist hier, und Egill Skallagrímsson ist hier... So was ist fantastisch. Was ich immer als verrückt empfand war, daß die Frau, die das Medium war, immer Donnerstags bei ihnen war, während sie Sonnabends bei der nationalen Spiritualisten Gesellschaft war und dann dort die Andere Seite in spiritualistischer Parlance kontaktierte.

Abb. 4: Detail des Beinteinsson-Gedenksteins in Reykjavík am 26. Juli 2010

KS: Sveinbjörn Beinteinsson sagte, daß einer der Impulse Ásatrúarfélagið ins Leben zu rufen aus dem Wunsch der Isländer entstammt, eine eigene Religion zu haben - und sie nicht weniger als die importierten Religionen zu pflegen.

HÖH: Ja.

KS: Das muß aus der Zeit mit den Kindern Jesu stammen.

HÖH: Ja.

KS: Hast du das Gefühl, daß Ásatrú, wie es auf Island praktiziert wird, eine spezifisch isländische Bewegung ist, die auf den Eddas und Sagas basiert, oder glaubst du, daß sie fundamental mit der deutschen Verehrung von Wodan und Donar bzw. der englischen Verehrung von Woden und Þunor und anderen Formen des Heidentums, die in Nordeuropa als vorchristlich-pangermanische Religion existierten, verbunden ist.

HÖH: Das liegt eher daran, wie es auf Island geendet hat. Wir wissen, daß viele der Heldenlieder in ganz Nordeuropa rezitiert wurden. Wir haben Runensteine, die Siegfried und den Lindwurm darstellen. Viele dieser Geschichten sind weit verbreitet. Das Wessobrunner Gebet, ein uns überliefertes althochdeutsches Gebet, verwendet Zeilen aus der Völuspá: ero ni uuas no ufhimil (Erde ward nirgends noch Aufhimmel). Verschiedene Varianten wurden im Heliand, auf Runensteinen in Schweden und auf einem Runenstab aus Ribe in Dänemark gefunden, was verdeutlicht, daß diese Ausdrucksweise und diese Ideen weit verbreitet waren.

Wir wissen, daß etliche dieser Ideen, und vielleicht auch einige der Gedichte, in ganz Nordeuropa bekannt waren. Wir kennen viele Ortsnamen in Schweden, die sich vom Gott Ullr (Wulder) herleiten. Wir wissen beinahe nichts über ihn, mit der Außnahme, daß es einige Schild-Kenninge gibt, die Ullar skip (isländisch für: Ulls Schiff), Ullar askur (Ulls Esche) und Ullar sundvigg (Ulls Sundspferd - auch als Schiffsbezeichnung) lauten. Es scheint, daß er in bestimmten Gegenden Schwedens verehrt wurde. Wir wissen auch, daß dort die Namen verschiedener Gottheiten, allein oder in Verknüpfung mit kurzen Geschichten niedergeschrieben wurden. Viele Ortsnamen in Norwegen, Schweden und Dänemark zeigen jedoch, daß ihre Verehrung weit größer war als hier auf Island.

In diesem Sinne handelt es sich um eine Religion, die einst in ganz Nordeuropa ausgeübt wurde. Bedauerlicherweise gibt es nur wenig um daran anzuknüpfen. Die meisten Quellen sind verschollen. Wir haben ein kurzes Fragment der Merseburger Zaubersprüche auf Althochdeutsch, das Wodan erwähnt, wir haben eine Runeninschrift, die über Logaþore berichtet und ähnliches. Es gibt nur wenige Nachweise. Es ist jedoch sehr ergiebig zu unseren Schwester-Religionen, wie der alt-persischen Religion zu schauen. Dort gibt es einen ähnlichen Schöpfungsmythos. Hier entspricht Ymir-Yima und im Hinduismus Yama/Yami.

Im Hinduismus haben wir Indra, der ein Drachentöter ist und seine Entsprechung in Þunarr und vergleichbaren indoeuropäischen Göttern findet. Es ist gut auf einige dieser Verknüpfungen zu achten. Der Hinduismus hat sich in einer Weise zum Buddhismus, der auf einer Stufe eine Art protestantische Bewegung im Hinduismus war, entwickelt. Natürlich ist er heutzutage etwas vollkommen anderes. Doch ist es schön (aus dieser Perspektive) auf einzelne Sprichwörter und Gedanken zu schauen, die wir hier haben.

Der tibetische Buddhismus ist eine Verschmelzung der dort einheimischen Bönpo-Religion, die eine Schamanistische Tradition hat, und dem dorthin gelangten Buddhismus. Dort gibt es eine Vielzahl an Naturgottheiten, die vergleichbar mit den Landwichten (vættir) bei uns sind. Es gibt im tibetischen Buddhismus auf Pferden reitende Dakinis, die die Toten bergen. So ähneln sie unseren Walküren und ähnlichem. Es gibt viele Verbindungen. So kann man sein Verständnis von dem was wir hier haben erweitern und vertiefen.

KS: Denkst du, die Entwicklung von dem, was nun als Ásatrú bezeichnet wird, wurde vom Kontakt der Nordmannen mit dem lappländischen Schamanismus beeinflusst?

HÖH: Ich glaube, daß es eine große Verbindung zu den Saamischen Traditionen gibt. Sie nennen sich selbst Saamen. Ein Lappe ist jemand, der Kleidung aus zusammengenähten Flicken - sprichwörtlichen Lappen - trägt. Ursprünglich ist es ein schwedisches Wort. Leppur bedeutet im Isländischen etwas ähnliches - schlechte Kleidung.

Es gibt ein wundervolles Buch von Hermann Pálsson, daß viele der Geschichten, die uns mit Finnland und der Finnmark in Nordnorwegen verknüpfen, aufgreift. Er zeigt, daß es einige Ehen zwischen Nordleuten und Saamen gab. Viele der älteren Geschichten über Magie und magische Praktiken scheinen mit den Finnen verknüpft zu sein.

Eine unserer ältesten und schönsten Oden - eine Ode, die immer noch in der Ásatrú-Gemeinschaft verwendet wird, ist die Tryggðamál (Geleitschwur). Man kann sie in der Grettis Saga (in verstümmelter Form), im Staðarhólsbók und im Jónsbók finden. Es ist eine Ode, die darüber handelt, wie man sein Wort so lange halten kann, wie sich die Erde dreht, der Schnee fällt, ein Schiff segelt und ein Finne Schi fährt.

Abb. 5: Hilmarsson in Reykjavík am 26. Juli 2010


Zuerst kommt der eigentliche Schwur... (Ich werde stadhaft sein...) Die darauf folgende Passage lautet sinngemäß übersetzt:

Feuer entbrennt,
die Erde ergrünt,
ein Kind verlangt nach seiner Mutter
und eine Mutter gebiert ihr Kind,
Menschen entflammen Feuer,
ein Schiff gleitet dahin,
Schilde blinken auf,
die Sonne scheint,
Schnee fällt,
der Finne auf schreitet Schiern,
die Föhre wächst,
der Falke fliegt
an einem Frühlingstag,
der Wind trägt ihn
unter beiden Flügeln,
der Himmel kreist,
die Welt ruht,
der Wind weht,
Gewässer ergießen sich ins Meer
die Männer säen Korn

Es geht also um ewige Dinge - Dinge die für alle Zeit weitergehen - dies zeigt uns, daß die Menschen damals sehr viel von den Finnen gehalten haben.

KS: Dagur þorleifsson beschrieb Ásatrú als eine Bewegung zurück zur Natur und weg von den negativen Aspekten der Industriegesellschaft. Das erinnerte mich an die Lebensreformbewegung, die deutschen und deutsch-amerikanischen Protohippies, die Hermann Hesse inspiriert hatten. Weißt du ob es einen Austausch dieser Ideen zwischen Island und Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegeben hat?

HÖH: Es ist eine witzige Sache, daß es in Deutschland um die Jahrhundertwende und bereits früher eine Hippiebewegung gegeben hat. Es gab diese Künstlerkolonie in Monte Verita (Berg der Wahrheit), wie sie es nannten. Dort lebten all die Nudisten und Freidenker, die Homöopathen und all die Menschen, die auf östliche Religion und solches Zeug machten.

Ich habe versucht eine Verbindung zu ziehen. Und da ist vielleicht auch eine schwache Verbindung, denn Helgi Pjeturss' Schwester war mit einem deutschen Adligen verheiratet, der wiederum in engen Kontakt mit der Nietzsche-Familie stand, aber auch mit vielen Radikalen. Helgi hatte zu dieser Zeit mit einigen seltsamen Menschen, sowohl in Deutschland als auch in England, Kontakte gepflegt. Wenn er keinen Verleger für seinen Kram fand, dann wurde es während der 20er und 30er Jahre von The Occult Review in England herausgebracht. Ich denke, daß es ziemlich gewiss ist, daß Helgi zu dieser Zeit in Kontakt zu einigen dieser seltsamen Leute stand, aber ich denke nicht, daß es einen unmittelbaren Einfluß auf Irgendwas in der Ásatrú-Gemeinschaft gab.

KS: Der isländische Evangelisch-Lutherische Bischof Sigurbjörn Einarsson war ein Nýallist und Heide in seiner Jugend, aber er wurde ein unerbittlicher Gegner des Ásatrúarfélagið als dies zu Beginn der 1970er Jahre offiziell von der Regierung anerkannt wurde. Wie sehen heutzutage die Beziehungen zwischen des Ásatrúarfélagið und den anderen religiösen Gemeinschaften auf Island aus?

HÖH: Im Moment ziemlich gut. Wir haben ein paar schwere Jahre vor allem um das Jahr 2000 herum durchlebt, als das tausendjährige Jubiläum des Christentums auf Island gefeiert wurde. Der erbärmliche Bischof Karl Sigurbjörnsson, der ein Sohn des Bischof Sigurbjörn Einarsson ist, hat sich selbst zum Esel gemacht, als er, um es ganz offen zu sagen, gegen uns gedroht hat. Das kam sehr schlecht an, und die Sympathien wechselten. Das war die Zeit als der erste Schwall von Leuten zur Ásatrú-Gemeinschaft kam.

KS: Das heißt, daß die Mitgliederzahl anstieg.

HÖH: Ja, genau. So waren wir letztendlich dankbar dafür. Hah! Er war eine Zeit lang ein wenig paranoid im Bezug auf uns, aber heute sind die Beziehungen recht herzlich zwischen uns. Wir stehen in gutem Kontakt zueinander.

Wir sind auch Mitglied in einer interreligiösen Gruppe, die sich regelmäßig trifft und über Ethik und darüber wie wir Hass zwischen den verschiedenen religiösen Gruppen vermeiden können spricht. Ich habe interreligiöse Zeremonien mit Priestern von der Lutherischen Staatskirche und auch zusammen mit Priestern der Lutherischen Freikirche, die sich, wenn ich mich richtig erinnere, 1899 von der Staatskirche abgespalten hat, durchgeführt. Die Lutherische Freikirche ist mit 8000 Mitgliedern die größte Glaubensgemeinschaft außerhalb der Staatskirche. Im Prinzip haben wir versucht Brücken anstelle von Wällen zu bauen.

KS: Amerikanische Ásatrú-Gruppen scheinen dazu bestimmt zu sein ihre eigene Version der Katholischen Kirche zu schaffen.

HÖH: Ja.

KS: Sie haben Neun edle Tugenden anstelle von Zehn Geboten, und sie haben standardisierte Glaubensinhalte und Ritualpraktiken. Man kann ihre Instruktionen im Pappumschlag bei Amazon kaufen und genau lernen wie man ein Heide in zehn einfachen Schritten wird.

HÖH: Ja.

KS: Als ich die Ásatrúarfélagið-Mitglieder hier in Reykjavík besuchte, fand ich eine große Glaubensvielfalt und Unterschiede in der Interpretation der Quellen unter den Mitgliedern vor. Glaubst du, daß diese Glaubensvielfalt und das Fehlen eines Standard-Dogmas ein Erbe der unabhängig gesinnten isländischen Siedler der Sagazeit ist, oder ist es eher eine Reflektion der unterschiedlichen spirituellen Haltungen irgendwo zwischen der post-religiösen europäischen Denkweise und der evangelikalen amerikanischen Idee des wahren Glaubens.

HÖH: Wenn man sich die Art betrachtet in der die Menschen ihre Götter gesehen haben, dann ist das teilweise total pietätlos. Sie konnten ihre Götter sogar verspotten, wie in der Lokasenna. Sie machten sich einen Riesenspaß mit den Göttern und Loki bezeichnet Odin als einen Transvestiten der überall herumpimpert und, wie Manche sagen, es dabei wohl auch mit ein paar Männern getrieben hat. Gleichzeitig hatten die Menschen ein gutes Gefühl gegenüber ihren Göttern. Sie waren Freunde. Sie sind nicht die Anderen - sie sind nicht anders als wir.

Das ist der Typ von Religion und Glaube, die bzw. den wir auf Island hatten. Wir waren niemals gute Christen. All unsere Bischöfe und all unsere Priester der so genannten katholischen Zeiten waren verheiratet. Rom hatte böse Briefe geschrieben und meinte: Warum reißt ihr euch nicht zusammen und macht die Dinge, die ihr tun sollt. Darauf hätten sie nur entgegnet: Wenn Ihr diesen Brief 50 Jahre eher geschickt hättet, dann wäre das Schiff wohl sicher auf See verschollen gegangen. Wir haben ihn nie erhalten... Hah. Das ist die Art und Weise wie wir Religion seit der Besiedlung ausüben.

Abb. 6: Hilmarsson in Þingvellir am 24. Juni 2010

KS: Die isländische Ásatrú scheint kein Dogma und keine Theologie zu haben. Ist Ásatrú eine Religion, oder ist das Ásatrúarfélagið vielmehr eine Interessengemeinschaft? Wie würdest du persönlich Religion definieren?

HÖH: Es ist eine Religion. Ich denke es ist eine Art das Leben zu betrachten. Es geht darum, wie wir uns selbst mit der Schöpfung in Verbindung bringen. Das lateinische Wort religio und das Verb religare haben die Bedeutung von miteinander verbinden. Wir sprechen von den Göttern als höpt oder bönd, was Hafte oder Haftel und Band bedeutet. Sie sind diejenigen, die uns mit unserer Umgebung verbinden und wir haften an den Göttern und sind an sie gebunden in einer sehr innigen Art und Weise. Die göttliche Natur ist auch in uns und wir können auch ein Spiegelbild der Götter sein.

Die Natur um uns ist ein lebendiges Wesen - eine lebende Kraft. Wir können dies fühlen, wie beim Vulkanismus, wo wir damit beginnen den Vulkan zu vermenschlichen. So sprechen wir (Isländer) davon, daß der Vulkan auf den Druck der Briten reagiert und darum bekamen die Britten die ganze Asche ab.

Wir sind schnell dabei einfach auf die Natur zu schauen, bevor wir uns einer Aufgabe stellen - oder vielleicht drängt uns die Natur zu bestimmten Dingen. Ich denke, das ist eine in sich sehr geschlossene Weltsicht. Wir sind innig mit der Natur und den Kräften um uns herum verbunden. Für viele von uns sind die Götter Personifikationen der natürlichen Kräfte. Für andere sind es Archetypen. Und dann gibt es natürlich noch weitere, für die es eine schöne historische Sache ist, weil es auch mit einer atheistischen Gesinnung stimmig ist.

KS: Einige Ásatrú-Anhänger in den Vereinigten Staaten von Amerika scheinen ihre Religion unter dem sehr amerikanischen Aspekt des wahren Glaubens auszuüben - wenn du zu Donar betest, dann wird er dir antworten. Sie lesen die Edda in einer Weise, die vergleichbar mit der literalistischen Deutung der Bibel ist (d.h. ohne Berücksichtigung des historischen Kontextes).

HÖH: Ja. Das scheint eine ziemlich fundamentalistische Denkweise zu sein. Man hört auf ein fundamentalistische Christ zu sein und wird stattdessen ein fundamentalistischer Ásatrúar. So endet man bei einer Edda-Verunglimpfung, was eine unglaubliche Sache ist. Hah!

KS: Glaubst du, daß diese Art von Einstellung hier nicht vorkommt?

HÖH: Ja, absolut. Ich habe bislang noch keinen von der Sorte auf Island getroffen.

Abb. 7: Hilmar Örn Hilmarsson bei der Sommersonnenwendfeier in Þingvellir am 24. Juni 2010

KS: Im Jahre 2003 hast du eine Níðstöng (Fluchstange) gegen das Kárahnjúkar-Wasserkraftwerk errichtet. Wie findest du ein Gleichgewicht zwischen deinen politischen Ansichten und deiner Rolle als religiöser Würdenträger.

HÖH: Ich mache im Prinzip die gleichen Dinge, die Sveinbjörn früher auch getan hat. Er war auch gegen die Zerstörung der Umwelt durch multinationale Konzerne, die im Grunde genommen, den ganzen Profit heraussaugen und dann nahezu nichts davon in Island zurücklassen.

Es ist Teil meines Schwures, daß ich mit der Natur, bzw. an der Seite der Natur kämpfe und sie respektiere... Wie sage ich das am besten...? Wir glauben fest daran, daß wir, als wir dieses Land besiedelten, dies im Einklang mit den Geistern der Natur und den Geistern des Landes getan haben. Wenn wir unsere Zeremonien durchführen, gehen unsere Grüße und unsere Trunkopfer (in denen wir Bier anbieten) an den genius loci - den örtlichen Geist. Ich denke es ist wirklich wichtig, daß wir dieses Land in einem besseren Zustand an unsere Kinder übergeben als wir es erhalten hatten. Wenn man dazu politisch Stellung beziehen muß, dann soll es eben so sein.

Ich weiß, daß diese Aktion gegen die lokale Regierung von Ost-Island wirklich ein Seiltanz war. Sie glauben wirklich, daß Ost-Island, das große Probleme hat, da die Menschen dort aus allen Landesteilen nach Reykjavík ziehen, stark davon profitieren würde. Natürlich respektiere ich, daß sie denken nur das Beste zu tun, aber sie taten nichts Gutes. Die Menschen ziehen immer noch fort aus dem Osten. Ich glaube nicht, daß sich eine tolle Zukunft dadurch eröffnet, indem Ost-Island einer Menge von ungebildeten Arbeitern einen Arbeitsplatz in einer Aluminiumfabrik anbietet. Meiner Meinung nach sollten wir der Natur den Vorzug geben und im Zweifelsfalle über bessere Bildung und so was nachdenken.

Das Gebiet, das sie für den hydroelektrischen Damm unter Wasser gesetzt haben ist unglaublich schön. Aber die Regierung streute eine Menge Propaganda und die Verantwortlichen behaupteten: Das ist eine karge Wüste. Dort ist nichts. Doch dort war eine Menge. Grüne Wiesen, wunderschöne natürliche warme Quellen in denen man baden konnte. Dort gab es eine Wildnis, wie man sie selten woanders sehen konnte. Rentiere und Vogelarten, die es nur in dieser Gegend gibt. Das war ein schwerer Fehler, aber die meisten Leute haben das sicherlich nun verstanden.

Abb. 8: Hilmarsson bei einer Namensverleihungszeremonie in Þingvellir am 24. Juni 2010

KS: Ásatrú ist wahrscheinlich einzigartig in der Beziehung, daß ihre heiligen Lieder, so sie solche sein mögen, aus einer Sammlung von Poesie und Prosa stammen, die erst nach der Konversion Islands durch Christen gesammelt und aufgeschrieben wurden. Dieser Aspekt unterscheidet sie deutlich vom Christentum, Judaismus und Islam, deren Bücher von Gläubigen verfasst wurden. Was glaubst du? Inwiefern hat dies die Entwicklung einer modernen Fassung des Glaubens beeinflusst.

HÖH: Wenn wir uns die Snorra Edda anschauen, beginnt sie mit einigen schönen und amüsanten Verknüpfungen, die wahrscheinlich aus Snorris Vorstellung und aus seiner Feder stammen. Ich glaube, das stammt eher von dem Dichter Snorri, als von dem Christen Snorri. Ich denke nicht, das Snorris vermeintlicher christlicher Glaube mit dem im Widerspruch stand. Er, oder wer auch immer den Prolog zur Snorra Edda geschrienben hat, denn es mag sein, daß er es nicht tat, hatte eine sehr raffinierte Idee, denn so würde der Klerus nichts gegen ihn unternehmen, da er diese euhemeristische Geschichte vom Ursprung der Götter konstruiert hatte.

Was ich persönlich glaube ist, daß Snorri, oder wer auch immer, als er das geschrieben hatte, gerade die Geschichte der Englischen Könige von Geoffrey von Monmouth (1100-1154) gelesen hatte, den dieser tat das gleiche in seinem Vorwort.

KS: Mit Troja und dem ganzen Kram...

HÖH: Ja, ja. Ich glaube Snorri war ein Mann von Welt, der in der Lage war die Verkaufsrenner, die in Europa kursierten zu lesen und er sagte: Ja, wir auch...

KS: Einige Wissenschaftler bestreiten, daß Snorri ein Christ war, der die Mythen nur aus literarischen und patriotischen Gründen herausbrachte. Andere behaupten sogar, daß er durch und durch eine Heide war, nur der Bezeichnung nach nicht. Was glaubst du, wie war sein Verhältnis zu dem Stoff, den er niedergeschrieben hat.

HÖH: ich glaube, daß er ziemlich daran interessiert war und Zugang zu einer Menge an Dingen hatte, die nun verschollen sind. Er zitiert aus dem Gedicht Heimdallargaldur, das vollständig verloren ist, bis auf den einen Vers den er zitiert hat. Er hatte eine andere Version der Völuspá als die, die wir aus dem Codex Regius kennen. Er muß eine Menge Dinge angesammelt haben.

Snorri stand auch in Verbindung mit dem schwedischen Jarl Hákon, dessen Spitzname Galinn (der Gellende) war, was vielleicht daher kommt, daß ihn die Menschen für verrückt hielten oder ihn mit dem Galster, einer heidnisch magischen Praktik, in Verbindung brachten. Wir wissen, daß es zu Snorris Zeit noch Heidentum in Schweden gab, und daß Snorri auch nach Schweden gereist war. Es ist also nicht unwahrscheinlich, daß er Verbindungen zu den Leuten dort hatte.

Abb. 9: Hilmar Örn Hilmarsson (mit Horn) und Karl Seigfried (mit Runenfahne) in Þingvellir am 24 Juni 2011 I

Wie ich bereits sagte sind wir in Island wirklich schlechte Christen. Wir konvertierten zwar, aber was geschah mit den alten Goden? ... sie wurden Kirchengoden (kirkjugoðar). Sie platzierten einfach Kirche- vor ihrer alten Bezeichnung. Das alte Godensystem arbeitete für 300 Jahre weiter. So hatte auch Snorri seinen goðorð (Gemeinde, Amtsbezirk). Das ganze Ding war also für eine lange Zeit unter der darüber liegenden, dünnen, christlichen Fassade intakt. Ich glaube nicht, daß wir es so ernst mit dem Christentum nahmen wie andere Völker.

Natürlich hatte Snorri einen triftigen Grund als er die Edda bzw. die Skáldskaparmál schrieb. Ohne Kenntnis der Mythologie kann man keine höfische Dichtung im dróttkvætt (das Versmaß Hofton) schreiben. Alle Kenningar und alle Heiti hatten ihre Wurzeln in alten heidnischen Geschichten. So musste man sein Heidentum kennen um ein guter Dichter zu sein.

KS: Als sich das Christentum in Nordeuropa ausbreitete wurden die Völvas zu Hexen, Götter wurden Teufel und die Elben wurden zu Unholden oder Dämonen. Sie wurden alle zu negativen Dingen in der neuen christlichen Welt umgestaltet. Wie viel von dem, was wir heutzutage als das Okkulte bezeichnen, ist deiner Meinung nach eine Übersetzung, ein Überbleibsel, eine Verdrehung oder ein Mißverständnis von originär nordeuropäischer religiöser Praxis?

HÖH: Ich glaube man kann gut erkennen, wie viel vom alten Volksglauben von der Kirche übernommen wurde. Es gibt Kirchen, die auf alten heidnischen heiligen Stätten errichtet wurden. Dann gibt es die römischen Katholiken, die ganz klar einige gerissene Inbesitznahmen veranlassten. Die Heilige Bridget ist im Wesentlichen die alte Irische Gottheit Brigid. Auf diese Weise übernahmen sie einige der alten heidnischen Dinge und nahmen das gesamte Pantheon in den Kreis der Heiligen auf.

Natürlich gab es gleichfalls eine Menge an Dämonisierungen. Wir können zum Beispiel erkennen, daß höchstwahrscheinlich Frija in der Gestalt der Grýla, ein mythologisches Wesen, daß Kinder ißt und eine Weihnachtskatze hat, die in der Weihnachtszeit die armen Kinder frißt. Man kann hier sehen, daß auch die Götter hier zu einem bestimmten Ausmaß dämonisiert wurden, sogar vieles von dem, was in den Volksglauben Einzug gehalten hat. Unsere große Leidenschaft für das verborgene Volk, die Elben und so was, ist das, was vom alten Glauben an die Landwichte und Götter zurückgeblieben ist.

Abb. 10: Hilmar Örn Hilmarsson (mit Horn) und Karl Seigfried (mit Runenfahne) in Þingvellir am 24 Juni 2011 II

Die weisen Frauen wurden zu Hexen und die Hexenverfolgung in Europa war zu einem bestimmten Ausmaß eine Reaktion auf die alte heidnische Sichtweise. Ich glaube jedoch nicht, wie Margaret Murray einst theoretisierte, daß es einen Hexenkult in Westeuropa gab, der ununterbrochen für Jahrhunderte fortbestand. Ich glaube das ist Fantasie.

Das witzige ist jedoch, wenn man sich die Statistiken anschaut, daß die meisten exekutierten Menschen in Europa weibliche Hexen waren, aber in Island wurden 23 Männer und nur eine Frau hingerichtet. Und diese Frau wurde nicht wegen der Ausübung von Magie hingerichtet. Demnach hatten wir keine Hexerei-Tradition hier in Island, aber wir hatten immer noch Magier.

KS: Bezogen sich die isländischen Magier auf heidnische Rituale?

HÖH: Sie verwandten einige heidnische Ideen. Es gibt ein Buch aus dem 16. Jahrhundert, das Galdrabók, das eine seltsame Verschmelzung von kabbalistischen und alten heidnischen Ideen darstellt. Es beinhaltet einige magische Zauberformeln um Wodan und Donar, aber dann kann man erkennen, daß derjenige, der es schrieb, Zugang zu einigen für diese Zeit bzw. für dieses Zeitalter richtig verwunderlichen Dingen hatte.

Wir wissen, daß Cornelius Agrippas Bücher über Magie Teil der Bibliothek des Bischofs von Skálholt waren. Die meisten sehen das Island zu dieser Zeit immer als sehr isolierte Gegend an. Aber wenn man in die Bibliothek des Bischofs Brynjólfur Sveinsson schaut, erkennt man, daß wir damals vollkommen auf dem letzen Stand waren, im Bezug auf das, was im restlichen Europa passierte.

KS: Glaubst Du, daß der späte englische und kontinentale Okkultismus übertragene heidnische Rituale sind.

HÖH: Die Götter müssen zurückkommen. Man kann bereits erkennen, daß die Götter im 19. Jahrhundert zurückkamen. Es gab die Jahre des Rationalismus und der industriellen Revolution, in denen die Menschen ihre Verbindung zur Natur verloren und ihre Religion verdrängt haben. Sie konzentrierten sich auf Kenntnis und Wissenschaft. Der Präsident der Französischen Akademie der Wissenschaften verkündete damals, daß wir mehr oder minder alles herausgefunden haben, was es herauszufinden gibt. Wir müssen nur einige Theorien weiter ausfeilen. In einer Atmosphäre wie dieser müssen die Götter zurückkehren, denn wir haben sie für so lange Zeit unterdrückt. Hah!

KS: Herrlich! Ich bin all meine Fragen losgeworden bevor die Batterie verreckt ist. Vielen Dank.

HÖH: Ja, ja, Okay!

Das Originalinterview in englischer Sprache auf dem Norse Mythology Blog:
Interview Teil 1
Interview Teil 2
Interview Teil 3



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