Von Blocksbergen und anderen Blozstätten


Blocksberg ist eine Bezeichnung für mehrere Berge, insbesondere der des im Harz gelegenen Brockens. Die Blocksberge gelten in einigen Sagen als Aufenthaltsort finsterer Wesen und als Versammlungsplatz der Hexen, die dort in der Walpurgisnacht oder auch zu anderen Zeiten des Jahres mit dem Teufel orgiastische Feste feiern.
Der Name Blocksberg ist eine volksmundliche Umbildung des Wortes Blozberg, das sich aus den Wörtern Bloz und Berg zusammensetzt.
Als Bloz (Althochdeutsch: bluoz oder pluoz; Altnordisch: blót; Altenglisch: blt) wird ein germanisches Opferfest bezeichnet. Etymologisch leitet sich das Wort von dem indogermanischen *bhld...?geschwollen? sein ab. Eine Gottheit zu blozen (Althochdeutsch: blzan; Altnordisch: blóta; Altenglisch: bltan) bedeutet demnach soviel wie ?eine Gottheit stärken?. Das dargebrachte Opfer (Althochdeutsch: bluostar), mit dem die Menschen ihre Beziehungen zu den jeweiligen Gottheiten intensivieren wollten bzw. mit dem sie die entsprechenden Gottheiten stärken wollten, steht in einer bestimmten Beziehung zu den jeweiligen Göttern und wurde u.a. in Form von Nahrungsmitteln (Tieren) und Kunstgegenständen dargebracht. Häuser bzw. Tempel in denen die Götter geblozt wurden nannte man im Althochdeutschen plzhs (?Blozhaus?), Berge auf denen dies geschah heißen, volksetymologisch leicht abgewandelt, Blocksberg (Blozberg).
((Die Sagen um den Blocksberg, zuerst von J. Praetorius gesammelt (?Blockes Berges Verrichtung?, 1669, Nachdruck 1968), haben ihre klassische Ausgestaltung in Goethes Faust gefunden.))
Im Folgenden werden einige Sagen von verschiedenen Blozbergen aus dem deutschen Sprachraum aufgeführt.

Die Hexe Trollewitsch (Osttirol)

Auch im Pustertale war starker Hexenglaube vorhanden und ist noch nicht ganz vertilgt. In der Schleinitz und gegen den 8000 Fuß hohen kahlen Berg, den Blocksberg dieser Gegend, zeigt man jetzt noch die versteinerte Hexe Trollewitsch an der nach ihr benannten Wand. Auf der Schleinitz hielten die Hexen ihre Tänze und Fahrten und brauten Wetter unterm Vorsitz ihres Patrones, des Teufels, und die Bäuerlein erzählen, Doktor Faust sei zum öftern auch dabeigewesen und mitgefahren von Berg zu Berg. Es ist eine Gegend voll schauerlicher Wildnis, und in den alten Hexenprozessen spielte die Schleinitz die bedeutendste Rolle. Weshalb jene Hexe an der Trollewitschwand versteinert sei, meldet die Sage nicht, wohl aber zerbrach sich schon manches sprachforschende Schulmeisterlein den Kopf über die seltsamen Namen "Trillpetritsch, Drallepatsch und Elbetritsch", die mit der wunderlichen Benennung Trollewitsch verwandt sind und aus Schwaben stammen. Am leichtesten wurde einer der Sprachengrübler damit fertig, der erklärte: Troll, Trall, Drall ist ein läppisch töppisches Weibsbild, und "witsch" ist das englische "witch" = Hexe; "reim dich, oder ich freß dich"! Witsch ist jedenfalls bei dieser Erklärung, aber "witch"?


Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 330.

Der Schlernteufel (Südtirol)

Der Schlern, einst hochgehalten als Laurins Königssitz, Burg und Garten, verlor einen Teil seiner alten romantischen Poesie und gab ihn später ab an die unheimlichen Teufels- und Hexensagen. Er ist zum Blocksberg seiner Umgegend geworden. Früher, ehe noch das Kirchlein mit einer geweihten Wetterglocke auf dem Schiern stand, ritten die Hexen zahlreich auf Rossen oder Mulen hinauf in die Felsregion, daß die Steine Funken gaben. Dann ging es droben toll her. Sie versprengten Vieh und Leute auf den Weiden oder zogen junge Männer mit sich fort, wie Sturmwind. Vor allem war es aber der Teufel selbst, der in Gestalt eines wilden Gauls, struppig von Haaren, glühend von Augen, überall durchsprengte und niedersprengte, was nicht gesegnet war. Wird manchmal sogar noch gesehen dieses Ungetüm. Am wildesten gebärdete er sich, als das Kirchlein auf dem Schiern gebaut wurde. Der Maurer und zugleich Erbauer, der Zöggeler Martl, der den Kirchenbau übernommen hatte, war ein geschickter, fleißiger Mensch, aus Völs im Eisacktale gebürtig und wohlbekannt; er richtete sich in der Nähe eine Heuhütte ein, wo er wohnte und schlief, um immer nahe zu sein und den Bau leiten zu können. Er hatte sich auch zwei Geißen eingestellt, damit es ihm an Milch nicht fehle. Weil der Herbst sehr gut war, blieb er dort bis zur Schneezeit.

Gleich nach Michaeli war es, da kam in der Nacht ein fürchterlich wildes Roß zur Tür und fing zu kuttern (d. h. schnauben) an und kutterte bis zur Tür her, die sehr klein und inwendig mit 2 Stangen überkreuz verrammelt war, daß niemand herein konnte. Die Geißen machten einen Höllenlärm, und des Maurers Hündlein, das doch sonst so bissig und böse war, heulte und kroch unters Bett, und dies überzeugte den Zöggeier Marti sogleich, daß es das Teufelsroß war. Daher schrie Marti hinaus: "Floich, du hast mit mir nichts zu tun, Satan!" Und wie Marti so gerufen hatte, da drückte es erst an die Tür, schlug daran, daß die Hütte zitterte, und galoppierte aber bald davon.

Und Martl hat nichts lieber als diese Heldentat erzählt und hat gewöhnlich beigesetzt: "So ein Teufel ist ein elender Wicht, und ein Mensch, der keine Todsünd' auf sich hat, kann ihm d'Horn und 'n Schweif ausreißen."

Daß der Teufelsgaul die Tür nicht eindrücken konnte, geschah darum, weil Marti hinter der Tür die Spreizer überkreuz gestellt hatte; das ist ein Hauptmittel gegen böse Mächte.

Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 360.

Der Blocksberg und die Schildkröte zu Hönow

Etwa zwei Meilen von Berlin kommt man auf der Straße nach Alt-Landsberg an das Dorf Hönow, das sich an einem kleinen See hin erstreckt, dessen Ufer von der Dorfseite aus zwar nicht sehr hoch, aber doch ziemlich steil sind. Dicht bei der Kirche, die nur wenige Schritte vom See entfernt liegt, befindet sich ein kleiner steil abschüssiger Hügel, der fast kreisrund ist, hart am See. Er hat, wie man das deutlich sehen kann, offenbar mit der angrenzenden Anhöhe, auf welcher die Kirche liegt, zusammen gehangen, ist aber jetzt durch einen tiefen Graben von ihr getrennt und auch ein ganz Theil höher als dieselbe. Dieser Hügel führt den Namen des Blocksbergs, den er davon tragen soll, daß sich zu verschiedenen Zeiten allerhand Spuk dort blicken lassen, von dem man jedoch jetzt nichts mehr weiß.

In der Kirche zu Hönow befindet sich auch eine Schildkrötenschale, die so groß ist, daß grade ein Viert Hafer hineingeht. Sie soll, wie erzählt wird, zum ewigen Andenken, daß einst so große Schildkröten in dem See waren, aufgehängt sein. Der Prediger des Orts wollte nämlich vor langen Jahren einmal des Sonntags eben nach der Kirche gehn, als er dicht bei derselben eine Schildkröte erblickt, die ebenfalls eben zur Thür hineingehn will, da ergriff er schnell einen Knüppel, der ihm grade zur Hand war, und erschlug das Ungeheuer im selben Augenblick. Seitdem hängt sie nun in der Kirche über dem Chor. Ob's da her kommt, oder eine andre Ursach habe, daß man oft des Nachts Licht in der Kirche brennen sieht, weiß man nicht, aber daß es schon oft genug stattgefunden, ist bestimmt.

Quelle: Kuhn, Adalbert, Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin, 1843. Nr. 199, S. 344.

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