Der Stuffo

Der Stuffo ist eine sagenumworbene Gottheit, welche im Gebiet des heutigen Thüringens, Oberfrankens und Süd-Ost-Niedersachsens verehrt wurde.
Nachdem Bonifazius die Donar-Eiche in Geismar zerstörte, soll dieser in den Harz gezogen sein, wo er auf dem Stuffenberg ein Orakelbild des Gottes Stuffo zerstörte. Im Augenblick der Zerstörung soll das Bildnis unter Dampf und Flammen in einem Loch gefahren sein, welches heute noch Stuffels-Loch genannt wird. In dem genannten Gebiet findet man vielerorts Stuffelkuppen, Stuvenberge, Stuffenberge oder auch Stubenberge, welche ggf. auf eine Verehrung der Gottheit schließen lassen. So berichtet z.B. die „Chronik der Stadt Suhl in der gefürsteten Grafschaft Henneberg“: „Ein anderer deutscher Götze, Namens Stuffo, soll einen Tempel oder Altar oder einen heiligen Hain auf dem Berge Strauf oder Straufhain zwischen Hildburghausen und Heldburg gehabt haben.“ Besonders hervorzuheben ist der Stubenberg bei Gernrode (Harz), der Stuffenberg zwischen Eschwege und Heiligenstadt (Eichsfeld), mit den späteren Namen Sankt Gehülsenberg, sowie der Stuffenberg bei Bad Kissingen (Franken). Stuffo soll mit einem Becher in der rechten Hand dargestellt worden sein und wird in einigen Quellen als Gottheit des Trinkens bezeichnet. Dabei bedeutet der Name Stuffo als Ableitung von dem Althochdeutschen Wort stouf oder stouph selbst wahrscheinlich einfach nur Becher (vgl. Neuschwedisch stop = Krug, Maß). Bei der Interpretation des Namens ist allerdings zu berücksichtigen, daß das althochdeutsche Wort in seiner Nebenbedeutung *stoufo (mhd. *stoufe) auch hochragender Felsen bzw. Berg bedeuten kann. Der Berg oder Felsen wird hier mit einem umgestülpten Becher verglichen [D. Berger]

Im Brauchtum ist der Stuffo, jedoch eher mit vegetativen Aspekten verküpft. So ist Stuffo, als lokale Spielart des Laubmannes, Bestandteil des alljährlichen Pfingstfestes, welches von den drei Vogteigemeinden, Oberdorla, Niederdorla und Langula durchgeführt wird. Dabei setzt man ein Kind unter einen gewandähnlichen, etwa 3 Meter hohen Trichter aus Tannenzweigen und fährt es auf einen Wagen durch dass jeweilige Dorf, wobei die anwesenden Festteilnehmer „Stuffo pfeif mal“ rufen. Daraufhin pfeift Stuffo und somit wissen die Beteidigten, das der Stuffo noch da ist.
Dieses Auftreten im Brauchtum überschneidet sich teilweise mit der Namenskundlichen Betrachtung der Ortsnamen. So kann der Stuffo als „Kleines Wesen“ (Kind, Zwerg) verstanden werden, das wie unter einem Becher d.h. Felsen bzw. Tannentrichter weilt. In einer Kirche im Eichsfeld, in Küllstedt gibt es ein Bildnis von 1756, das den Bonifatius darstellt, wie er Stuffo von einen Holzsockel stößt Der Stuffo findet auch als Staffo in den zwei friesischen Sagen „Der Feuerpütz“ und „Der überquellende Wasserpütz“ Erwähnung. Hier wird er mehr als weissagendes, zukunftswissendes Wesen dargestellt, das gewisse Ähnlichkeiten dem eddischen Zwerg „Allwiß“ aufwei&stlig;. Das Trinken aus dem Becher kann ggf. als Trinken aus einem mythischen Wissensquell angesehen werden.

Quellen: L.Bechstein, C.A. Vulpius


Sagen vom Stuffo

Bonifacius kommt an die Ohra
Der Heidenbekehrer Bonifacius nahm seinen Zug aus Hessen zum zweiten Mal in das Thüringer Land. Dort hatte er die Donnereiche bei Hofgeismar gefällt, im Eichsfeld das Bild des Götzen Stuffo zerstört, und den Dienst des Biel, der Ostara, Lahra und Jecha ausgerottet. Nun gelangte er in die Gegend an der Ohra und predigte auch hier das Christenthum. Die Sage nennt zwei reiche Dynasten des Landes, Herrn Haug oder Hugo, einen Grafen von Käfernburg, und einen Ritter Albolt, die zu den ersten seiner Neubekehrten gehörten. Sie schenkten ihm ein großes Theil vom Land, und er blieb längere Zeit daselbst, lehrte und taufte und bekehrte viele Heiden. Eines Abends übernachtete er unter einem Gezelte am Ufer der Ohra, da erblickte er plötzlich eine überirdische Helle, der Himmel öffnete sich, und es floß ein wunderbarer Lichtstrom herab. In diesem großen Glanze, der alles ringsum erleuchtete, erschien der Erzengel Michael, sprach dem frommen Mann Muth ein zur Verfolgung seines heiligen Werkes und stärkte ihn zum unerschütterlichen Glauben. Als es Tag geworden war, brachte Bonifacius dem Herrn für dieses Gesicht sein Dankgebet und fromme Gelübde dar.

Quelle: Ludwig Bechstein (ᛘ 24.11.1801 Weimar ᛦ 14.05.1860 Meiningen) Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes. 4 Bände. Hildburghausen (Kesselring) 1835-1838; Band II S. 52/3)


Der Feuerpütz
Es war zu Kaiser Titus' Zeit, vier Jahre nach der Geburt unsers Herrn, als im heutigen Westfriesland an einem Berge, der rote Kliff genannt, ein Feuerpütz aus der Erde schoß, der drei Tage lang loderte und weberte. Am vierten Tage kam ein Drache aus der Öffnung geflogen, aus der das Feuer schoß, hob sich hoch, schwebte eine halbe Stunde lang in Lüften und tat sich dann wieder nieder und hinein, woraus er gekommen war, ward nicht wieder gesehen, und das Feuer erlosch. Hundertundfünfzig Jahre später brach der Feuerpütz wieder auf und brannte ganz schrecklich, acht Tage lang, und flammte sehr hoch, daß allen, die daherum wohnten, bange ward; dann erlosch die Flamme. Die Einwohner fragten das Orakel ihres Abgottes Staffo, weil sie ein großes Sterben fürchteten, und der Gott sprach, von diesem Erdfeuer werde das Land nicht untergehen, eher von dem kalten Stoff, der nach Länge der Zeit ihm folgen werde.
Und aber nach etwa hundertundvierundzwanzig Jahren borst der Feuerpütz beim roten Kliff zum dritten Male auf, doch achtzehn Tritte weiter von der ersten Stelle, und flammte elf Tage lang sehr schrecklich hoch. Da brachten die Einwohner dem Abgott Staffo Brandopfer und fragten aufs neue das Orakel. Da gebot ihnen der Gott, aus der Nordsee drei Krüge Salzwasser zu holen und diese durch einen gegen die Glut gewappneten Ritter in den Flammenschlund werfen zu lassen, da werde der inwendige Brand ausgelöscht werden. Das wurde vollbracht, und der Brand löschte aus.

Quelle: Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 125-126.


Der überquellende Wasserpütz
Da man südwestlich von Stavoren, eine halbe Stunde von der Stadt, einen Pütz (einen Brunnen) grub, so sprang statt süßen Wassers ein Überfluß von Salzwasser hervor, wie aus einem Springbrunnen, das quoll und quoll und drohte, Stadt und Land zu überschwemmen. Da fragten die Einwohner das Orakel ihres Gottes Staffo, und das sprach, der Pütz werde nicht aufhören überzuquellen, bis das Blut eines dreijährigen Knaben in dasselbe Wasser gesprengt und mit ihm gemengt werde. Solches geschahe eilend, da hörte der Pütz auf zu fließen, und war endlich kein Tropfen Wasser mehr in ihm zu sehen, und wo das übergequollene Wasser gestanden hatte, blieb das Land drei Jahre lang dürr und unfruchtbar, bis es allmählich wieder zu grünen begann und Früchte trug.

Quelle: Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 126.


Der Stuffenberg
In der Gegend von Eschwege und Wanfried liegt ein hoher Berg, zu dem geschehen alljährlich viele Wallfahrten, absonderlich aus dem Eichsfeld, darauf erbaute Winfried eine Kapelle. Da nun der Bau im Gange war, kam zum öftern ein fremder Mann gewandert, der fragte die Maurer und Zimmerer, was es denn geben solle, und diese antworteten: Ei, eine Scheuer soll es geben! - Mit diesem Bescheid ging der Mann immer wieder seiner Wege, endlich aber trat er auch einmal unversehens in die Scheuer - da stand ein Altar darin und auf dem Altar ein Kruzifix, und war keine Scheuer, sondern eine christliche Kirche - und da schmiß die Türe hinter ihm zu, daß er nicht herauskonnte. Hu! da ward dem Fremden angst und bang, und hätte mögen des Teufels werden, wenn er nicht schon selbst der Teufel gewesen wäre, und raffte sich zusammen und fuhr oben durch den Giebel, wo noch eine Ritze war, mit Geprassel hinaus und riß ein Loch, das hat nimmermehr wieder zugebaut werden können; dann fuhr er in den Stuffenberg hinein, da blieb auch ein Loch, das heißt das Stuffensloch, und zuzeiten soll es aus dem Loche dampfen, und Nebel sollen daraus aufsteigen, Rückbleibsel des Angstschweißes, den der Teufel damals schwitzte.
Auch bei der Stadt Gernrode am Harz erhebt sich ein Stuffenberg, darauf ein Lusthaus und die schönste Aussicht auf die Teufelsmauern, auf Quedlinburg und Halberstadt.
Die Kapelle aber, die auf dem Stuffenberge bei Wanfried der heilige Bonifatius erbaute, ist Sankt Gehilfen genannt, und von ihr heißt der Berg auch der Hilfenberg. Manche nennen Sankt Gehilfen auch die heilige Kümmernis, und die heilige Kümmernis war eine wunderschöne Prinzessin, die erfuhr, was der Gründerin des Stiftes Quedlinburg begegnete, und da ließ ihr Gott der Herr einen Mannesbart wachsen und nahm ihr ihre unsagliche Schönheit. Solcher Hilfen- und Kümmerniskapellen gibt es viele in deutschen Landen.

Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

Weiterfürende Literatur:
H. Waldmann: Über den thüringischen Gott Stuffo


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