Das Sumbel - Ein historischer Einblick
aus den Englischen übertragen von A. Zautner

Das Sumbel (altnordisch sumbl, altenglisch symbel, altsächsisch/althochdeutsch sumbal) war ein bedeutender ritueller Umtrunk bzw. ein rituelles Trinkgelage der Germanen. Es wurde stets im Inneren, üblicherweise im Langhaus eines Adeligen, eines Königs oder allgemeiner eines Häuptlinges veranstaltet. Ein Sumbel war im Gegensatz zum festlichen oder feierlichen Umtrunk eine ernsthafte Veranstaltung die einem strengen Ritus folgte.
Grob umrissen lief ein Sumbel wie folgt ab: Es wurde im Allgemeinem von einem Sumbelgeber (altsächsisch symbelgifa) eröffnet, geleitet und beendet. In der Regel hatte der Häuptling, bei dem das Sumbel stattfand, die Funktion des Sumbelgebers inne. In der Mitte der Teilnehmer befand sich ein Kessel, welcher mit Met oder Äl (Bier) gefüllt war. Nach der Weihe des Kessels wurde ein Trinkhorn oder ein andersartiges Gefäß mit dem Trank aus diesem Kessel gefüllt. Anschließend kreiste dieses Trinkhorn unter den Teilnehmern des Sumbels, wobei es von einer Schankmaid (zumeist der Ehefrau des Häuptlings) weitergereicht und bei Bedarf aufgefüllt wurde. In der ersten Runde erfolgte durch das Äußern von Trinksprüchen ein Minnetrinken auf die Götter. In der zweiten Runde gedachte man der verstorbenen Angehörigen. Während der dritten und den folgenden Runden wurden von den Teilnehmern Eide geschworen, Gelübde abgelegt und Lieder oder Gedichte zum Besten gegeben. Essen und anderweitige Festlichkeiten waren explizit vom Sumbel getrennt. Es wurden auch keinerlei Trankopfer den Göttern im Rahmen des Sumbels dargebracht.
Erwähnt wird das Sumbel unter anderem im angelsächsischem Beowulf-Epos (Zeilen 489-675 und 1491-1500), im altsächsischem Heliand sowie in den angelsächsischem Gedichten Dream of the Rood und Judith. Darüber hinaus findet man das Ritual in dem Eddalied Lokasenna, der Heimskringla, im Bericht über den Begräbnisumtrunk Sven Gabelbarts für seinen Vater, sowie in dem Buch über die norwegischen Könige, der Fagrskinna.

Etymologie des Sumbel-Begriffs
Linguistisch gesehen hat das Wort Sumbel einen gemeinsamen Ursprung mit dem Verb sammeln. Etymologisch leitet sich der Begriff Sumbel vom protogermanischen *sumlan (Gasmahl), bzw. vom Wortstamm *sm-lo-, (Versammlung) ab. Orthografische Varianten sind, wie erwähnt, Altenglisch symbel, sumble oder symle, Altsächsisch und Althochdeutsch sumbal und Altnordisch sumbl.

Das Angelsächsische Symbel
Im angelsächsischen Schrifttum wurde der Gastgeber, der das Sumbel bzw. Symbel veranstaltet, als symbelgifa (Sumbelgeber) bezeichnet. Eine besondere Rolle im Rahmen des Sumbels spielte der sog. Þyle. Er befragte bzw. forderte diejenigen mit Spott und Sticheleien (flytung) heraus, die in den Sumbelrunden prahlten (gielp) oder Eide schworen (béot, bregofull). Es war die Aufgabe des Þyle, das Heil der Gemeinschaft zu wahren. Eide, die man beim Sumbeln schwor, wurden als bindend betrachtet, da sie das Wurt (Sippenschicksal) aller Sumbelteilnehmer beeinflussen konnten.
Darüber spielte der sogenannte Scop, ein Dichter, Sänger oder Barde, vergleichbar dem nordischen Skald, eine bedeutende Rolle beim Sumbel. Er rezitierte unter anderem Stammbäume von Königen und Helden sowie alliterierende Poesie. Der Met oder das Bier wurden üblicherweise von Frauen in ihrer Funktion als ealu bora (wörtlich Älbergerin, d.h. als Bier-Berherbergende) verteilt. Die erste Runde wurde üblicherweise von der Hausherrin ausgeschenkt.


Sven Gabelbart beim Begräbnissumbel für seinen Vater Harald


Das Skandinavische Sumbl

In der Kultur der Normannen und Wikinger war das Schwören von Eiden auf das, während eines Umtrunkes kreisende, Horn des Häuptlings ein integraler Bestandteil bestimmter festlicher Anlässe. In den skandinavischen Sagas wird im Zusammenhang mit einem Sumbel oftmals von einem Trinkgefäß berichtet, das als Bragarfull bzw. bragafull bezeichnet wird. Der Begriff Bragar- oder Bragafull kann als „Schwur-“ oder „Häuptlingsbecher“ (vergleiche Bragi - der Dichtergott) sowie einfach als „Bester Becher“ übersetzt werden.
Der Name dieses Gefäßes tritt in zwei Schreibweisen auf, was die Interpretation des Begriffes schwierig macht. Das Wort bragr, welches im Altnordischen so viel wie „Bester“ oder „Hervorragendster“ bedeutet, ist Grundlage des ersten Wortteils. Die Schreibweise bragafull kann, im Gegensatz zu der Schreibweise bragarfull, auch als „Bragi's Becher“, d.h. mit Bezug auf den germanischen Dichtergott Bragi übersetzt werden, obwohl in den Schriften kein besonderer Bezug zwischen dem Gott Bragi und dem Sumbel bzw. dem bragafull hergestellt wird. Snorri Sturluson beschreibt in seiner Heimskringla, in der Saga von König Hákon dem Guten, die Sitte des Bragarfull:

„...Feuer waren in der Mitte des Tempelflurs angezündet und Kessel sollten darüber sein, und man sollte die vollen Becher über das Feuer hin reichen. Der Veranstalter und Leiter des Festes (der Gode) aber sollte die Becher und die ganze Opferspeise segnen. Zuerst sollte man den Odinssbecher für den Sieg und die Herrschaft seines Königs trinken, und dann die Becher des Njörd und des Frey für fruchtbares Jahr und Frieden. Danach pflegten manche Männer den Bragi-Becher (bragafull) zu trinken. Man trank auch Becher auf seine Verwandten, die schon im Grabe lagen, und diese nannte man Gedächtnisbecher (minni)...“

In der Ynglinga Saga (auch Teil der Heimskringla) schreibt Snorri folgendes:

„...Es war in jener Zeit Sitte, daß, wenn für Könige oder Jarle ein Erbmahl stattfinden sollte, der, welcher es veranstaltete und die Erbschaft antreten sollte, auf einen Schemel vor dem Hochsitz saß, bis der Becher hereingebracht war, den man Bragibecher (bragafull) nannte. Er sollte dann aufstehen, um den Bragibecher (bragafull) entgegenzunehmen, und ein strenges Gelübde ablegen, dann aber den Becher leeren. Dann sollte man ihn auf den Hochsitz geleiten, der seinem Vater gehört hatte. Nun erst war er voller Besitzer des Erbes seines Vaters geworden.
So geschah es nun auch hier, und als der Bragibecher (bragafull) hereinkam, stand König Ingjald auf und ergriff ein großes Stierhorn. Er legt ein Gelübde darauf ab, daß er nach allen vier Himmelsrichtungen sein Reich um die Hälfte vergrößern wolle oder sterben. Darauf trank er das Horn aus...“

Die Fagrskinna (Ein Geschichtsbuch über die norwegischen Könige aus dem 13. Jahrhundert) erwähnt mit Bezug auf den Dänenkönig Sven Gabelbart einen zeremoniellen Umtrunk zunächst auf die „Größten seiner Sippe“, dann auf den Gott Thor und letztlich auf die anderen Asengötter. Im Anschluß wurde der Bragarfull geleert. Als der Sumbelgeber getrunken hatte schwor er einen Eid, der auch von den anderen Anwesenden geleistet werden musste. Erst danach begab er sich auf den Thron seines verstorbenen Vorgängers.
In einem Prosa-Abschnitt des Edda-Liedes Helgakviða Hjörvarðssonar heißt es:

„...Da fuhr Hedin auf Julabend einsam heim aus dem Wald und fand ein Zauberweib. Sie ritt einen Wolf und hatte Schlangen zu Zäumen und bot dem Hedin ihre Folge. Nein, sprach er. Da sprach sie: „Das sollst du mir entgelten bei Bragis Becher (Bragarfull)“. Abends wurden Gelübde verheißen und der Sühneber vorgeführt, auf den die Männer die Hände legten und bei Bragis Becher (bragarfull) Gelübde taten. Hedin vermaß sich eines Gelübdes auf Swawa, Eilimis Tochter, seines Bruders Geliebte. Danach gereute es ihn so sehr, daß er fortging auf wilden Stegen südlich ins Land, wo er seinen Bruder Helgi traf...“

Die Hervarar saga ok Heiðreks konungs berichtet, daß Hjörvard, der Sohn Arngrims, bei seinem bragarfull versprach die schwedische Königstochter Ingeborg zu heiraten. Die Saga von Ragnar Lodbrok erzählt, daß der gutnische Jarl Herraud beim Sumbel versprach, demjenigen seine Tochter zur Frau zu geben, der sie von einem schrecklichen Lindwurm befreien konnte bzw. in dessen Anwesenheit mit ihr zu sprechen vermag.

Auf der Gedenkfeier Harald Blauzahns, schwört Jarl Sigvald
im Gedenken an seinen Vater den Eid nach Norwegen zu fahren und den Jarl Haakon zu töten.

PS: Den Artikel habe ich in änlicher Form auch bei der Asawiki und der Wikipedia eingestellt


Das Sumbel - Ein alter und heiliger Brauch
von Peter A. Walthard

Der uralte Brauch des Minnetrinkens reicht bis in älteste Vorzeit hinauf. Beim Sumbel kommen die Feiernden um den Kessel mit frisch gebrautem Äl zusammen, trinken auf ihre Götter, Ahnen und Helden und erleben sich selbst als Teil einer starken Gemeinschaft. Mit dem heiligen Brauch des Sumbels begeben wir uns an die Quelle der Wurt und schöpfen aus dem Erlebten und Geschehenen Mut und Zuversicht für die Zukunft.

Das Sumbel ist einer der ältesten und heiligsten Riten unserer alten Sitte. Seine Ursprünge gehen zurück in graue Vorzeit. Ein kultisches Trinkgelage war allen indoeuropäischen Stämmen gemein. Der Met, später der Wein und das Bier galten als mit magischer Kraft durchwirktes Geschenk der Götter. Das gemeinsame Trinken war der Höhepunkt der Opferfeste, um den Kessel mit dem goldenen Met versammelt, fühlten sich die Feiernden ihren Göttern und Ahnen näher. Die Gewinnung des Rauschtranks durch den obersten Gott war eines der zentralen Themen der indoeuropäischen Mythologien. Neben dem altindischen Somaopfer und den Libationen der Griechen, Römer und Slawen ist das Sumbel die germanische Ausformung dieses in die Urzeiten europäischer Kultur zurückreichenden Rituals.

Das Sumbel war meist Teil eines Opferfestes und folgte auf das Hunsal, das Verspeisen des Opferfleisches. Sein Name ist denn auch mit demjenigen der Gelage der griechischen Philosophen, dem Sumbole, verwandt. Eine andere Deutung aus Sum-Alu, „Versammlung des Äls“, verweist auf denselben Sinn. Wie das Bluostar (Bloz, Blót), bei dem die Feiernden mit dem Opferblut besprengt wurden, und das Hunsal, bei dem sie das in Kesseln gekochte Opferfleisch verzehrten, war auch das Sumbel eine Kommunion, ein Ritual, bei dem die mystische Gemeinschaft der Feiernden mit den Göttern und Ahnen erlebt wurde.

Getrunken wurde in Runden, oft aus einem einzigen Trinkhorn, daß in Richtung des Sonnenlaufes umgegeben wurde. Vor jedem Trunk wurde ein Trinkspruch ausgebracht. Dabei wurden nicht nur Götter und Ahnen geehrt, man trank auch auf vollbrachte Heldentaten und schwor bei der Gelegenheit heilige Eide. Der Rückblick auf die Vergangenheit, die Erinnerung an vollbrachte Taten und überstandene Abenteuer verband sich mit Hoffnungen und Plänen für die Zukunft. Die Feiernden schöpften Mut und Zuversicht aus dem gemeinsam Erfahrenen. Wenn sie zu Sumbel saßen, begaben sie sich zur Quelle der Erinnerung, des Lebens, des Schicksals: „Dem Brunnen der Wurt.“

Das mit Met gefüllte Trinkhorn, an dessen Grund niemand zu schauen vermag, verkörpert beim Sumbel den Wurtbrunnen, der unter den Wurzeln des Weltenbaums hervorquillt. Er wird vom Tau gespiesen, der aus den Ästen der großen Esche tropft. Sein Wasser ist so heilig, daß alles, was damit in Berührung kommt, so weiß wird wie Schnee. Die Nornen schöpfen dieses Wasser und giessen es über den Stamm der Irminsul, während sie Schicksale sprechen.

Es ist das Verdienst von Paul Bauschatz, daß uns die Symbolik dieses heiligsten Bildes unserer Sitte verständlich geworden ist. Es sind die Taten, die in den Welten im Geäst der Weltenesche vollbracht werden, die wie Tau in den Wurtbrunnen fallen, sich dort vermischen und ablagern. Aus diesem Brunnen des Gewordenen schöpfen die Nornen, wenn sie neue Geschicke legen, indem sie das Wasser der Quelle über den Stamm des Weltenbaumes gießen, wo sich wie weißer Sinter die Urlag, das Urgesetz, Schicht um Schicht niederlegt und festsetzt. „Der Baum füllt die Quelle, die Quelle nährt den Baum“, schreibt Bauschatz in „The Well and the Tree“.

Wenn beim Sumbel vor jedem Trunk vollbrachter Taten gedacht und neue angekündigt werden, wiederholen die Feiernden das Wirken der Nornen. Dies ist der Grund für die besondere Heiligkeit dieses Rituals. Die Teilnehmer begeben sich bewusst in den Fluß des Gewordenen, des Werdenden und des Sein-sollenden.
Die Trinkenden schöpfen aus dem Brunnen ihrer Erfahrungen und Erlebnisse die Kraft und das Selbstvertrauen, die sie benötigen, um neue Herausforderungen anzupacken.


Regeln und Rollen bei Sumbel
Wie jedes Ritual gehorcht auch das Sumbel bestimmten Regeln. Die wichtigste ist, daß der heilige Friede nicht gebrochen werden darf. Ein Sumbel kann kontrovers sein, die Teilnehmer dürfen sich auch herausfordern, doch darf es niemals zu Beleidigungen oder gar Gewalt kommen. Über dem Sumbelhorn herrscht absolute Redefreiheit, wer immer das Horn in der Hand hat, darf sprechen solange und was er will. Keiner hat das Recht, ihm ins Wort zu fallen. Solange die Ehre der Anwesenden nicht angetastet wird, ist auch Kritik, etwa in Form eines satirischen Schnitzelbankes, Teil eines lebendigen Sumbels.

Meineide, die beim Sumbel geschworen werden, wirken zersetzend. Niemals, auch im Rausche nicht, sollten Dinge geschworen werden, die nicht erfüllbar sind. Wenn jemand im Begriff steht, einen heiligen Eid zu schwören, dem er sicher nicht nachkommen kann, hat der Sumbelgeber das Recht, ihn herauszufordern und sein Mißfallen über den Eid auszudrücken. Dies sollte aber unter allen Umständen so geschehen, daß die Ehre des Schwörenden nicht verletzt wird.

Es empfiehlt sich, Sumbel nur mit Leuten zu trinken, denen man vertraut. Obwohl die Tradition des Sumbels ein Bestandteil der Firnen Sitte ist, bietet es sich an, auch mit Freunden, Weggefährten und vorallem der eigenen Sippe zu Sumbel zu sitzen, auch wenn diese einer anderen Religion angehören. Solange diese unseren Brauch zu würdigen wissen, stellt dies kein Problem dar. über die Quelle der Wurt sind wir auch mit jenen verbunden, die unseren Glauben nicht teilen.

Zu Sumbel sitzen kann man grundsätzlich immer. Bei einem heiligen Fest folgt es auf den Opferschmaus, das Hunsal. In alten Quellen wird berichtet, wie die Tafeln mit den Speiseresten aus der Halle getragen wurden, bevor das „ernsthafte Trinken“ begann. Auch nach dem Aufkommen von Trinkbechern wurde nun zum Horn gegriffen. Ein schönes Sumbelhorn ist auch heute der Stolz einer heidnischen Sippe.

Der traditionelle Sumbeltrank schlechthin ist der Met, aber auch andere vergorene Getränke wie Wein, Bier oder saurer Most eignen sich. Wenn Leute aus bestimmten Gründen keinen Alkohol trinken dürfen, ist Apfelsaft oder klares, reines Wasser eine gute Alternative.

Beim Sumbel zu essen gilt gemeinhin als unhöflich. Jeder Teilnehmer kann aber während des Sumbels aus einem eigenen Glas Wasser oder Tee trinken, wenn er will. Wer sich zwischen zwei Runden kurz entfernen will kann dies tun, sollte aber Acht geben, die Aufmerksamkeit der anderen nicht zu stören.

Vor Beginn des Sumbels muß alles vorbereitet werden, damit die Atmosphäre während des Rituals nicht durch unnötige Pannen beschädigt wird. Der Tisch sollte sauber gemacht, die Reste weggeräumt und die Flaschen mit dem Sumbeltrank geöffnet werden. Auch ein Spaziergang oder eine sonstige kleine Pause nach dem üppigen Mahl empfiehlt sich. Die Sitzordnung sollte, wenn nötig, vor Beginn des Sumbels festgelegt werden. Der Sumbelgeber und die Mundschenkin sitzen dabei am Haupt der Tafel, die Gäste folgen nach Alter, Würde und Rang. Sumbel wird aber heute auch gerne im Kreis getrunken, was weniger hierarchisch ist.

Das Sumbel wird vom Sumbelgeber eröffnet. Er ist es, der die Gäste zum Minnetrunk geladen hat und das Äl offeriert. In alter Zeit war dies ein Ewart, Gode oder König. Die Rolle des Mundschenks übernahm oft dessen Frau. Die Mundschenkin sollte keineswegs als Dienerin betrachtet werden. In der Edda sind es die Göttinen höchstselbst, die in dieser Ehrenrolle auftreten. Die Mundschenkin hat das Recht,beim Einschenken die Trinkenden zu ermahnen. Ihr gebührt höchster Respekt, und sie kann selbst am Sumbel teilnehmen, wenn sie dies wünscht.
In der Angelsächsischen Tradition werden der Sumbelgeber und die Älträgerin durch den Þyle unterstützt. Ein Þyle sollte eine ältere, erfahrene Person, die über tiefe Kenntnis der Firnen Sitte verfügt, sein. Mit seiner Weisheit soll ein Þyle den Verlauf des Sumbels positiv beeinflussen. Auch ein vom Sumbelgeber engagierter Minnesänger kann viel zur guten Atmosphäre beitragen.


Der Verlauf eines Sumbels
Wenn alle Vorbereitungen getroffen sind und alle ihre Sitze eingenommen haben, beginnt das Sumbel mit dem Segnen des Äls, das in einem großen Kessel in der Mitte der Trinkenden steht. Mit der Weihe stellt der Sumbelgeber das Äl unter den Schutz der Götter. Darauf eröffnet er das Sumbel mit einer kurzen, feierlichen Ansprache.

Der erste Teil des Sumbels besteht aus dem Minnetrinken. Zuerst trinkt man auf die Götter. Wenn dies nicht schon vor dem Mahl geschehen ist, bringt nun der Sumbelgeber drei Trinksprüche auf die drei ihm am wichtigsten Götter, zum Beispiel Wodan, Donar und Frija, aus. Jeder Sumbelteilnehmer kann nun die Minne seines Lieblingsgottes trinken. Wer nicht Anhänger der Firnen Sitte ist, kann das Horn auch auf einen persönlichen Schutzgott oder ein ihn leitendes Prinzip heben. In dieser Runde besinnen sich die Sumbel trinkenden auf etwas, das ihnen heilig ist.

Nachdem auf die Götter getrunken wurde, wendet sich die Minne den Verstorbenen zu. Es sollte dabei möglichst auf alle verstorbenen Sippenmitglieder und Freunde getrunken werden. Durch den Trinkspruch, das Gedenken, sind sie während des Sumbels anwesend. Mit dem Andenken an die Toten besinnen sich die Trinkenden auf ihre Wurzeln und Bindungen. Es kann auch auf Helden getrunken werden, Menschen, deren Taten einen beeindruckt und bestärkt haben.

Auf die Minne der Toten folgen die Trinksprüche auf die eigenen Taten. Dies kommt heutzutage einem eigentlichen Tabubruch gleich. Die Feiernden erzählen von ihren Abenteuern, von Herausforderungen, die sie bestanden haben, von Siegen, auf die sie stolz sind. Dabei werden auch die Heldentaten der eigenen Ahnen oder Verwandten gewürdigt, vorallem aber rühmt man sich doch der eigenen Leistungen. Die Trinkenden besinnen sich so auf ihre eigene Kraft und ihren inneren Stolz.

An die Minne der eigenen Taten schließen die Eide und Gelübde an. Nun wird auf Dinge getrunken, die geschehen sollen. Wer vor einer schwierigen Prüfung steht, kann nun mit einem Eid das ganz Bewusstsein der eigenen Kraft, der Verbundenheit mit den Ahnen und dem, was ihm heilig ist, an die Taten knüpfen, die er zu vollbringen gelobt. Er stärkt sich und seinen Willen mit dem Mut und der Zuversicht, die ihm die tiefe Verbindung zu seiner Sippe, seinen Freunden und seinen Göttern geben. Es versteht sich von selbst, dass ein solcher Eid ernst gemeint sein muß und bindenden Charakter hat. Wer beim Sumbel einen Meineid leistet, zerstört all das, was ihm hätte Kraft geben können. Niemand sollte Dinge schwören, die zu tun er nicht im Stande ist.

Je weiter das Sumbel fortschreitet, desto freier werden die Runden. Es können Lieder oder Gedichte vorgetragen werden, Scherz und Satire, aber auch ernste Diskussionen können Gegenstand der Trinksprüche werden. Das Sumbel ist auch eine gute Gelegenheit, Geschenke auszutauschen. Was beim Sumbel nichts zu suchen hat sind Galanterien und Avancen. Äl und Eifersucht sind eine Mischung, die allzu leicht zu Streit und Gewalt führt.

Das Sumbel wird vom Sumbelgeber mit einigen wenigen, jedoch profunden Worten beendet.

Auch wenn sich ein Sumbel lange hinziehen kann, sollten sich die Teilnehmer nicht sinnlos betrinken. Wenn der Sumbelgeber merkt, dass die Zungen schwerer werden, wird es Zeit, den Ritus zu beenden. Das Fest kann dann immer noch lange weitergehen. Mit einer guten Mehl- oder Zwiebelsuppe lässt sich mancher müde Trinkgenosse wieder aufrichten. Auf jeden Fall muß der Sumbelgeber für genügend Schlafplätze sorgen, damit seine Gäste nicht angetrunken nach Hause fahren müssen. Dies ist ein Teil seiner Aufgabe als Gastgeber.

Das Ziel eines guten Sumbels ist es, dem Menschen zu gestatten, an seine Quellen zurückzukehren. Im Kreis seiner Sippleute erinnert er sich an das, was ihm heilig ist, seine Götter, seine Werte. Er fühlt die Verbundenheit zu seinen Ahnen, die vor ihm lebten und von denen er abstammt. Er erinnert sich seiner eigenen Kraft, der von ihm schon erbrachten Leistungen. Er sieht, wie früher vergleichbare Situationen gelöst wurden, wie ähnliche Nöte vorübergingen. Auf diese Weise gestärkt kann er sich von neuem den Unbilden des Lebens stellen und die Herausforderungen, die dieses ihm bereithält, mit frischem Mut in Angriff nehmen.

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