Fasnacht, Winteraustreiben und Sommergewinn


Der Windriese Fasolt

Das Winteraustreiben, das in manchen Gegendenen auch als Todaustragen bezeichnet wird, ist ein alter Brauch, der ursprünglich am ersten Tag des zweiten Monats begangen wurde. Beim Winteraustreiben wird eine ströherne Gestalt, welche den Winter bzw. einen Winter- Sturm- oder Wetterriesen darstellen soll, erst durch und dann aus dem Ort getrieben und anschließend verbrannt, in einen Fluß geworfen oder anderweitig zerstört. Hierbei werden bestimmte Lieder gesungen oder Sprüche aufgesagt.
In einer mittelalterlichen Münchener Handschrift (Cgm. 734, f. 208) wird in einem deutschen Wettersegen der Sturm- und Wetterriese mit dem Namen „Fasolt“ bezeichnet:

Ich peut Dir, Fasolt, daß Du das Wetter verfirst mir und meinen nachpauren ân Schaden!
(Ich bitte Dich, Fasolt, daß Du das (schlechte Winter-)Wetter entfernst, und damit den Schaden an mir und meinem Nachbarn!

Der Riese Fasolt findet sich auch in der mittelhochdeutchen Eckensage, wo er als Bruder Eckes auftritt.
Einige Volkskundler führen den Wortstamm fasen der Bezeichnung Fasnacht auf auf den Windriesen Fasolt zurück. Faseln - mit der Bedeutung „wirr reden“ wird hier als Umschreibung des Windspfeifens verstanden. Das althochdeutsche Faselave wird als „wilde Gebärde“ und „wirres Gerede“ gedeutet.
Die sogenannten Fasenahten (Fasnächte) bezeichnen demnach das Ende des winterlichen Brauches.

Quellen:
A. Martin, » Naturerwachen und Widergeburt «, ISBN: 3-934291-03-1



Frau Sunna und Herr Winter - Der Eisenacher Sommergewinn

Der Sommergewinn in Eisenach ist eine regionale thüringische Variante des Winteraustreibens. Der Eisenacher Somergewinn gilt als eines der größten Frühlingsfeste Deutschlands.

Sommergewinn Vielerorts kennt man seit firner Zeit den Brauch des Winteraustreibens und Sommereinholens, welcher seit dem Mittelalter auch unter dem Begriff Todaustragen geläufig ist. Zu dieser Zeit kannte man nur die Jahreszeiten Sommer und Winter. Bereits im frühen Mittelalter rollte man Räder, an denen eine brennende Strohpuppe befestigt war, von den Berghängen des Metilstein über die noch unbestellten Felder ins Tal hinab. Jung Männer versuchten, etwas von dem Feuer zu fangen, um es als Herdfeuer zu verwenden. Der Legende nach sollten so die bösen Geister durch den Schornstein verjagt werden. Danach wurde auf dem Eisenacher Festplatz eine mit bunten Bändern geschmückte Tanne aufgestellt.

Der Brauch wurde erstmals Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt, d.h. daß dieser Brauch schon mindestens ganauso lange tradiert wird, wie die Edda des Snorri Sturlusson alt ist. Der Sommergewinn soll seit dem 15. Jahrhundert regelmäßig durchgeführt worden sein. Seine erste schriftliche Erwähnung als Sommergewinn fand das Fest um 1704 in der von Johann Michael Koch, damals Rektor des Eisenacher Gymnasiums, begonnenen aber nicht vollendeten Stadtchronik.

Die im Westen Eisenachs gelegene Georgenvorstadt rund um den Ehrensteig gilt als Wiege des heutigen Brauchtums, viele der Gedichte und Theaterstücke sind daher in der Stiegker Mundart verfasst. Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit wurde der erste Sommergewinnsumzug am 25. April 1897 vom Weststädtischen Bezirksverein Eisenach veranstaltet. Schauplatz des Umzuges und des Volksfestes war die Katharinenstraße westlich der Innenstadt. Von da an wurde das Fest regelmäßig jedes Jahr am gefeiert, bis die Veranstaltung wegen des Ersten Weltkriegs fast ein Jahrzehnt nicht stattfand.

Die aus der Tradition des Kommers hervorgegangenen Kommerschabende wurden als gesellige Abende bei Musik und Tanz in den 1920er Jahren fester Bestandteil des Sommergewinns. Anlässlich dieser Veranstaltungen wurden eine Reihe von volkstümlichen Theaterstücken aufgeführt, so u. a. „Sommers Wettstreit mit dem Winter“ von der Eisenacher Pädagogin Auguste Möder (1830-1897). Die am 8. Lenzing 1931 uraufgeführte Komödie „Miele“ von Fritz Reinhardt gilt als Geburtsstunde der Sommergewinns-Figuren Henner und Frieder, gespielt von den Eisenacher Volksschauspielern Albert Fehr (1898-1979) und Kurt Hesse (1898-1975).
Nachdem die Nationalsozialisten versuchten, den Sommergewinn ideologisch zu durchdringen, fand er während und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht statt. Erst 1950 wurde der Sommergewinn wieder gefeiert. Bis 1961 drehten sich die Festumzüge thematisch um die Figuren des Sommergewinns, erst ab 1962 standen auch geschichtliche und kulturelle Ereignisse der Stadtgeschichte Eisenachs auf dem Programm. Ab 1967 verlagerte sich das Fest auf den Marktplatz, der seitdem Kulisse des Streitgesprächs zwischen Frau Sunna und Herrn Winter ist. Seit 1974 steht der Festumzug unter einem aktuellen Motto.
1985 wurde das von Günther Laufer hergestellte Sommergewinns-Denkmal eingeweiht. Es zeigt die traditionellen Symbole Hahn, Ei und Brezel und steht vor dem Eingang der Stadtbibliothek.
Im Jahre 1992 wurde der Sommergewinnszunft Eisenach e.V. gegründet, der sich seitdem für die Organisation des Festes verantwortlich zeichnet. Erst im Jahre 2010 wurde das historische Feuerradrollen wieder in das Festprogramm aufgenommen.

Frau Sunna und Herr Winter
Der vergehende Winter wird durch Herrn Winter versinnbildlicht, der seinen Ursprung in der Vorstellung eines „Königlichen Reifdürsen oder Reifriesen“ hat. Er ist eine ähnliche Figur wie der schweizerische Dürste. Seine Gegenspielerin ist die Sonnengöttin, Frau Sunna, die wir auch aus den Merseburger Zaubersprüchen kennen. Beide liefern sich am Ende des Festumzugs ein Streitgespräch, das stets Frau Sunna gewinnt. Als Symbol des weichenden Winters wird nach dem Streitgespräch eine Strohpuppe verbrannt. Dieses Zwiegespräch weist parallelen zur Heimholung des Hammers in der Þrymskviða auf. In dem Streitgespräch werden neben Frau Sunna und Herrn Winter mit Bruder Lenz, dem Nordwind, Mutter Erde, dem Frost und den Winden noch weitere Wesenheiten aufgeführt.


Streigespräch zwischen Frau Sunna und dem Winter

Frau Sunna:
Wohlan, zum Kampfe bin ich bereit,
den Sieg will ich heute erringen!

Wohlan, Herr Winter, es ist soweit,
zu Ende ist deine Regentenzeit!
Ich werde im Kampf dich bezwingen!

Herr Winter:
Sei nur nicht allzu siegesbewußt!
Meine Macht ist noch lange nicht zu Ende!
Noch tobt der Nordwind in meiner Brust
und voll ungebrochener Kampfeslust
zwingt dich die Kraft meiner Hände!
Die Berge sind noch bedeckt mit Schnee,
und der Frost beherrscht noch die Höhen,
im Eis sind erstarrt noch der Bach und die See
und im Walde erfriert noch Hase und Reh
wenn meine Eiswinde wehen!

Frau Sunna:
Mich kannst du nicht erschrecken, kalter Gesell!
Ich werde dich doch besiegen!
Ich schmelze dein Eis und erwecke den Quell,
und die Lerche soll bald wieder silberhell
in den blauen Himmel fliegen!
Wach auf, Mutter Erde! Wach auf! Wach auf
Und sprenge des Fürsten Ketten!

Bruder Lenz, beginn dein Siegeslauf!
Und ihr Menschen, ihr Menschen strömt alle zuhauf
und verlaßt eure heimischen Stätten!
Entflammt auf den Höhen den Feuerbrand
und jagt ihn mit Macht von den Auen!
Ist er vertreiben erst aus dem Land,
sollt ihr des Frühlings klarblaues Band
in der lenzwarmen Luft wieder schauen.

Herr Winter:
Was führst du im Schilde? Was hast du vor?
Willst du die Menschen auf mich hetzen?
Ich öffne den Stürmen Tür und Tor:
Ihr Winde braust zu, euer grausiger Chor
soll alle in Schrecken versetzen!
Doch was ist das? Zu Hilfe! Mir wird so warm!
Verlöscht eure Feuerbrände!
Erbarmt euch, ihr Menschen, erbarmt, erbarmt!
Ganz kraftlos werden mir Hände und Arm,
und ich fühle, es ... ist ... das ... Ende!

Frau Sunna:
Fort muß er nun, der die Freude nicht kennt,
der Feind ist dem Leben der Lieben!
Sein Tod ist besiegelt in diesem Moment;
Seht nur, ihr Menschen, der Winter - er brennt!
Und wir sind Sieger geblieben!


Beim sinnbildlichen Verbrennen des Winters als Stohpuppe auf dem Eisenacher Markt heiß es:

...er (gemeint ist der Winter) muß doch
die Segel streichen, vor der Sunna Herrlichkeit,
muß besiegt vom Platz entweichen,
wenn auch erst nach wildem Streit.

Jetzt schleppt man den Herrn Kollegen
strohumwunden zum Gericht
und es brennt im Flammensegen
schnell zu Tod, der Winterwicht...


Perchtenkostüm aus dem Ausseerland Zu den Sinnbildern des Sommergewinns gehören der Hahn als Verkünder des Lichtes und des Tagesbeginns, ein mit Binsen verziertes Ei als Sinnbild der Fruchtbarkeit und die Brezel als Sinnbild der Unendlichkeit im Wechsel der Jahreszeiten. Die Binseneier wurden erstmals 1823 erwähnt, in dieser Tradition entstand der Ruf der Sommergewinnszunft „Gut Ei, gut Ei und Kikeriki“. Als bedeutsames Sinnbild für Sunna, die Sonne, gelten die Feuerr&aum;der.
Ursprünglich wurde die Georgenvorstadt mit grünen Tannenzweigen geschmückt, die mit bunten Bändern dekoriert waren. In den 1950er Jahren wurden die Häuser am Ehrensteig, an der Frankfurter Straße sowie der Katharinenstraße erstmals mit von Hand geformten Blumen aus Krepppapier geschmückt. Dieser Brauch ist seit den 1990er Jahren auch in anderen Straßen Eisenachs zu beobachten.

Quellen:
Eisenacher Sommergewinnszunft e.V.
Sommergewinn in Eisenach


Der lautlose Donnerriese Drumb

Aus der Edda kennen wir mit der Drumbsquede (Þrymskviða), eine dem Sommergewinn bzw. dem Fasolt-Wettersegen vergleichbare Begegnung zwischen dem Donnergott Donar und dem König oder Truchseß der Winterriesen Drumb. Diese Þrymskviða sei an dieser Stelle in einer konsequent hochdeutschen Übersetzung wiedergegeben, in der auch die Namen entsprechend übertragen wurden:


1.
Zornig war Wigdonar
wo er erwachte,
und sich um den Hammer
Sorgen machte.
Er schüttelte den Schopf
und schwang den Bart.
So begann die Suche
des Sohns der Erd'.

2.
Und diesen Spruch
sprach er zuerst:
Höre nun Lohe!
Lausch was ich sage!
Was niemand weiß
nirgends auf Erden
noch im Überhimmel:
„Der Ans' ist beraubt des Hammers.“

3.
Sie gingen zum glänzenden
Garten Frijas.
Und diesen Spruch
sprach er zuerst:
Wirst Du mir, Frija,
das Federkleid leihen
um damit zu holen
den Hammer, mein?

Frija sprach:
4.
Ich würd' es Dir geben
auch wenn es gülden sei.
wohl Dir nicht versagen
wenn es silbern wär'.

5.
Da flog Lohe,
das Federkleid rauschte.
bis er glitt aus
der Ansen Gärten
und kam hinein
ins Heim der Enzen.

6.
Am Grabhügel saß Drumb,
der Dürsentruchseß.
Er flocht seinen Hunden
Halsbänder aus Gold,
und strich seinen Mähren
die Mähnen glatt.

Drumb sprach:
7.
Wie geht's bei den Ansen?
Wie steht's bei den Elben?
Warum kommst Du allein,
nach Enzenheim?

Lohe sprach:
Schlimm steht's bei den Ansen.
Schlecht geht's den Elben.
Hast Du Hallreiters
Hammer verborgen?

Drumb sprach:
8.
Ich habe Hallreiters
Hammer verborgen,
unter der Erde
acht Rasten tief.
Zurück nach Hause
holt ihn niemand,
bevor er nicht zu mir führt
Frija als Weib.

9.
Da flog Lohe,
das Federkleid rauschte.
bis er kam aus
dem Enzenheim
und kehrte ein
in Ansengart.
Er traf Donar
dort am Orte.
Und diesen Spruch
sprach er zuerst:

10.
Bringst Du Botschaft,
der Entbüßungen Lohn?
Sag noch aus der Luft
lange Nachricht!
Was zu sagen versiegt
dem Sitzenden oft.
Leicht tritt mit Lügen
der Liegende hervor.

Lohe sprach:
Ich bringe Dir Botschaft
der Entbüßungen gleich:
Deinen Hammer hat Drumb,
der Dürsentruchseß.
Den holt kein Held
nach Haus´ zurück.
Bevor er zu ihm führt
Frija als Weib.

12.
Sie fuhren die freundliche
Frija zu treffen.
Und diesen Spruch
sprach er zuerst:
„Binde dich, Frija,
in Brautlinnen!
Wir reisen zu zweien
nach Riesenheim!“

13.
Zornig war Frija
und fauchte wild.
Der ganze Saal
der Götter erbab.
Es sprang das funkelnde
Flammengeschmeid´.
Die mannstollste
müßte ich sein,
eilt´ ich mit dir
ins Enzenheim.

14.
Es eilten die Ansen
alle zum Dinge,
zugleich die Ansinnen
alle zum Mahle,
um dies berieten
die reichen Ziware:
Wie sie Hallreiters Hammer
heimholen könnten.

15.
Da sprach Heimdall,
der hellste Ans.
Er wußte wohl voraus,
den Wanen gleich.
Binden wir Donar
in Brautlinnen.
Der flammende Schmuck
verschöne ihn wohl.

16.
Lassen wir Schlüssel
am Leibe ihm klirren.
und weibische Kleider
aufs Knie fallen,
und auf seiner Brust
breite Steine sein,
den Hauptputz setzen wir
behende ihm auf.

17.
Da sprach Donar,
der Dürsenfeind:
„Weibisch schimpfen mich
Wanen und Ansen,
laß ich mich binden
in Brautlinnen.“

18.
Da sprach Lohe,
der Laubauen Sohn:
Donar, spar dir
diese Worte
Bald werden Enzen
in Ansgart wohnen,
holst Du den Hammer
nicht nach Hause.

19.
Sie banden Donar
in Brautlinnen
dazu das funkelnde
Flammengeschmeid´.
Schlüssel ließen sie ihm
am Leibe klirren.
und weibische Kleider
aufs Knie fallen,
und auf seiner Brust
breite Steine sein,
und setzten ihm behende
den Hauptputz auf.

20.
Da sprach Lohe,
der Laubauen Sohn:
„Ich werd´ bei Dir
als Dienstmagd sein.
Wir reisen zu zweien
ins Riesenheim“

21.
Hurtig war´n die Habergeißen
heimgetrieben.
geschirrt an die Sielen,
sollten rasch rennen,
Berge barsten,
loh brannte die Erd´
Es fuhr Allvaters Sohn
ins Enzenheim.

22.
Da sprach Drumb,
der Dürsentruchseß:
„Steht auf, Enzen!
Bestreuht die Bänke!
Führt nun zu mir
Frija als Weib,
des Nerths Tochter
aus Nauzun fern!“

23.
Am Garten geh´n hier
goldhörnige Küh´,
Allschwarze Ochsen
den Enzen zur Freud´
hab Schmuck in Hülle
und Schätze in Fülle
Einzig meine Frija,
Sie fehlt, denke ich.

24.
Es ward der Abend
alsbald gekommen.
und für den Enzen
Das Äl aufgetischt.
Donar aß acht Lachse,
einen Ochsen,
und allen Schleck,
den Schönen bestimmt.
Es trank drei Maß Met
der Mann der Sippe.

25.
Da sprach Drumb,
der Dürsentruchseß:
Wann erlebtest du Bräute
lechzender beißen?...
...nie sah ich Bräute
größ're Bissen brechen,
noch mehr teu'ren Met
ein Mädchen zechen.

26.
Die durchtriebene
Dienstmagd war´s,
die auf des Riesen Wort
die Widerrede erhub.
„Frija aß nichts,
acht Nächte lang.
So verrückt war sie
auf´s Riesenheim.“

27.
Unters Linnen lugte er
lüstern des Küssens.
Doch tat er einen Satz
in den Saal zurück.
Wie fürchterlich sind
Frijas Augen!
Ich glaube, es glimmt
vor Glut in ihnen!

28.
Die durchtriebene
Dienstmagd war´s,
die auf des Riesen Wort
die Widerrede erhub.
„Frija schlief nicht
acht Nächte lang
So verrückt war sie
auf´s Riesenheim.“

29.
Ein trat die arme
Enzenschwester,
die die Brautgabe
zu erbitten wagte.
Die roten Ringe
reiche mir bald.
wenn du meine Liebe
erlangen willst,
meine Minne,
all meine Huld.

30.
Da sprach Drumb,
der Dürsentruchseß:
Bringt den Hammer rein
um die Braut zu weih'n!
Legt in Maidens Schoß
Mjöllner, segensgroß!
Mit der Wara Hand,
weihet unser Band!

31.
Da lachte Hallreiters
Herz in der Brust
Als der Hartgesottene
den Hammer ersah.
Erst tötet er Drumb,
den Dürsentruchseß.
Des Enzen Geschlecht
erschlug er ganz.

32.
Er tötete die alte
Enzenschwester,
die die Brautgabe
erbeten hatte.
Ihr war´n schallende Schell´n
statt Schillingen
und Hiebe des Hammers
statt Haufen von Ringen.
So kam Wodans Sohn
wieder an den Hammer.


Naturmythologische Deutung:

Die Drumbsquede ist ein Winteraustriebs- oder Frühlingsmythos.
Dem Donnergott Donar wurde von dem winterlichen Donnerriesen Drumb der Gewitterhammer gestohlen. Eine bekannte Tatsache ist es, daß im Winter keine Gewitter vorkommen. Dabei ist zu beachten, daß der altnordische Name Þrymr (Drumb), etymologisch verwandt mit Trommel und Trompete, bis heutige im Isländischen Donner bedeutet. Erst mit dem Frühling treten auch wieder Gewitter auf und Donar tritt, für jedermann hörbar wieder in Erscheinung. Drumb ist der im Winter schweigende Donner.
Donar, der Sohn des Himmelsgottes Wodans und der Erda, erwacht aus seinem Winterschlafe. Er vermißt seinen Hammer Mjöllner, der ihm vom Reifriesen gestohlen wurde, welcher ihn acht Rasten in der Tiefe vergraben hat. Diese acht Rasten sind eine mögliche Zeitangabe für acht donnerlose Wintermonate.
Donar muß nun in das winterliche Enzenheim reisen um seinen Wetterhammer wieder zu erlangen.
Auffallend ist hier, daß Reisen ins Enzenheim im allgemeinen fliegend zurückgelegt werden, wohingengen Reisen in die Hellia auf einem Pferd erfolgen.
Lohe (Loki) der Flammengott, der als Vorhut in Frijas Federkleid, nach Enzenheim reist ist als donnerloses erstes Wetterleuchten oder als erste warme Fr6uuml;hlingsluft zu verstehen. Lohe ist in dieser Rolle, der erste, der Veränderungen einleitet
Frija (Ostara), die junge im Frühjahr erblühende Erde, wird von dem Reifdürsen Drumb als Tausch für den Wetterhammer eingefordert.
Der Hammer Mjöllner kann durchaus als Gewitterwolke verstanden werden. (moln Schwedisch, Russisch? Wolke).
Lohe und Donar ziehen dann gemeinsam, als Blitz und Donner gegen die Winterriesen ins Feld.
Drumb besitzt wie in dem Eddalied beschrieben eine großen Reichtum an so ziemlich allem.
Nur die belebende Frühlingserde, die schöhne Frau an seiner Seite, Frija, fehlt ihm um Nutzen aus seinem Reichtum ziehen zu können.
Die kalte an Lebenskraft arme Wintererde wird durch die Schwester des Enzen verkörpert. Ihr Dasein sowie das Dasein Drumbs endet unter den Schlägen Donars bzw. mit dem ersten Gewitter.

Funken- und Hutzelfeuer


Das Ende der Fasnächte, d.h. der Abschluß des Winteraustreibens im Erdmonat (März), wird mit einem großen Feuerzeremoniell begangen, das in Thüringen und Hessen, insbesondere in den Gebieten der Röhn als Hutzelfeuer und im schwäbisch-alemannischen Raum als Funkenfeuer oder einfach kurz als Funken bezeichnet wird. Diesen alten Feuerbrauch finden wir vor allem in Vorarlberg, Liechtenstein, der Schweiz, im Schwarzwald, im Allgäu, Oberschwaben sowie im Tiroler Oberland und im Vinschgau, aber auch in Ostfrankreich und bis in die Gegend von Aachen. Jedes Jahr werden dort die sogenannten Funken abgebrannt.
Der Funken ist meist ein Strohhaufen oder aufgeschichteter Holzturm, der nach Einbruch der Abenddämmerung unter den Augen der Dorfbevölkerung angezündet. Die größten Funken können eine Höhe von bis zu 30 Metern erreichen.




Der allgemeine Ablauf gestaltet sich folgendermaßen:
Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vorbereitungen meist durch die Dorfjugend durchgeführt. Im Laufe der Zeit wurden diese Aufgaben aber immer mehr durch sogenannte Funkenzünfte oder die örtlichen Narrenvereine übernommen. In Vorarlberg wird traditionell am Faschingsdienstag die Funkentanne geschlagen. In derselben Woche wird in der Bevölkerung Brennmaterial gesammelt. Für den Funkenbau werden oftmals alte Weihnachtsbäume, Paletten oder anderes Abfallholz verwendet.

Aufbau
Einen Tag vor dem Funkenbrand wird mit dem Aufbau des Funkens begonnen. In Vorarlberg und im Allgäu besteht dieser meist aus einem kunstvoll aufgeschichteten Holzturm, im westlichen Oberschwaben eher aus einem großen Strohhaufen, und im Rheintal wird v.a. Schnittholz (Astwerk) verwendet. Im Inneren wird das weitere gesammelte Brennmaterial untergebracht. Den Kern der Konstruktion bildet die Funkentanne, ein bis auf den Wipfel entasteter Baumstamm, auf deßen Spitze eine Hexenpuppe (Funkenhexe) hängt. Mancherorts, vor allem im Allgäu und in Vorarlberg, ist die Funkenhexe mit Schießpulver gefüllt.Im thüringisch-heßischen Raum wird diese Hexenpuppe auch als Hutzelhexe bezeichnet.



Ein Funken wird aufgeschichtet... und abgebrannt...


Funkenwache
In der Nacht zum Funkenbrand paßt eine Funkenwache auf, damit der Funken nicht frühzeitig von den Burschen aus den Nachbardörfern angezündet wird. Die wirtschaftlichen Intereßen, die heute vielerorts mit diesem Brauch verbunden sind, haben aber dazu geführt, daß dieser althergebrachte Streich heute strafbar ist.

Funkenwirtschaft
Früher wurde in manchen Gegenden (etwa nordwestlich des Bodensees) in den Funken ein Raum für die Funkenwirtschaft eingebaut, in der bis kurz vor dem Anzünden bewirtet wurde. Aus Sicherheitsgründen wird heute aber eher in einem Zelt neben dem Funken gefeiert. Mancherorts ziehen die Dorfbewohner bei Einbruch der Dämmerung in einem Fackelzug zum Funkenplatz. In einigen Gemeinden wird am Nachmittag auch ein Kinderfunken abgebrannt. Der Zug wird oftmals von einer Dorfmusik, einem Gesangsverein oder Fackelschwingern begleitet. Ansonsten trifft man sich gegen Abend in der Funkenwirtschaft bzw. im Funkenzelt und versammelt sich zu gegebener Zeit um den Funken.

Abbrennen
Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Funken, eventuell nach einer feierlichen Ansprache der Funkenzunft, unter den Augen der Dorfbevölkerung angezündet, die auf die Explosion der Funkenhexe wartet. Erreichen die Flammen des Funkens die Hexenpuppe, expoldiert sie laut schallend, was besonderes Glück verheißt. Es gilt allgemein als schlechtes Omen, wenn der Funken umfällt, bevor die Hexe explodiert ist. In diesem Fall wird die Hexe am darauffolgenden Sonntag in einer Zeremonie „beerdigt“. Nach der Explosion der Hexe wird oft noch ein Feuerwerk abgebrannt.



Die Hutzelhexe brennt

Funkenringwürfeln
Die Tradition des Funkenringwürfelns finden wir in Oberschwaben und im Allgäu. Dann wird in vielen Wirtshäusern und Vereinshäusern ab dem Frühschoppen um so genannte Funkenringe, einem kreisförmigen Hefegebäck (Kranzbrot), gewürfelt. Der Funkenring gilt auch als ein Sonnen- und Fruchtbarkeitßymbol.

Funkenwagen
Im Oberschwäbischen Raum, speziell in der Gegend um Ravensburg gehört zum Funkenbauen auch das gemütliche Beisammensein im Funkenwagen. Ein Funkenwagen ist oft ein alter, teils von den Funkenbauern umgebauter Bauwagen.

Der Böög
In der Schweiz oder mindestens im Rheintal wird statt der Funkenhexe der Böög verbrannt, eine mit Schießpulver gefüllte Stoffpuppe, die unter lautem Knallen explodiert.




Scheibenschlagen
Beim Funken spielt sich in manchen Regionen dann auch der Brauch des Scheibenschlagens ab, bei dem brennende Holzscheiben mit Hilfe einer Rute oder eines Steckens in die Luft geschleudert werden.

Ursprung
Der Ursprung dieses Brauches liegt, obwohl seines außergewöhnlich hohen Alters, im Dunkel der Geschichte. Etliche Überlegungen dazu gehen davon aus, daß es sich beim Funken um überreste eines heidnisch-germanischen Brauchtums zur Vertreibung des Winters handelt. Diese Deutung ist etwa bei dem Landeshistoriker und Priester Josef Thaler zu finden, der in einem Gedicht mit dem Titel „Lertha“ aus dem Jahre 1798 die Funkenfeuer im christlichen Sinne interpretierte. Er sah den Brauch als Rest aus dem Heidentum, der von den gegenwärtigen „Enkeln“ jedoch zum Lob Gottes und zu sittlicher Hebung durchgeführt wird. Dem Gedicht hat Thaler eine historische Deutung beigefügt:

„Die Holepfann-Feuer [Anm.: andere Bezeichnung für Funkenfeuer] werden in der Umgebung von Meran, wie in Ulten, Paßeier und Vinschgau, bei der Abenddämmerung des ersten Sonntags nach dem Fasching rings herum auf Anhöhen angezündet, wobei man auch hie und da brennende Reisig- und Strohbündel über die Saaten hinunter rollen läßt, was man in Ulten das Kornaufwecken nennt. Im Vinschgau sind diese Feuer mit dem sogenannten Scheibenschlagen - dem Hinaußchleudern von brennenden (ursprünglich wohl die Sonne vorstellenden) Holzscheiben unter lauten Begrüßungen an irgendein teures Haupt - verbunden. Dieser Brauch ist wohl ein überbleibsel von den Naturfesten, welche unsere heidnischen Voreltern der Göttin Herda (Mutter Erde) und im weiteren Sinne der Weltmutter Frigg (Mutter Natur) sowohl, als auch dem Sonnengotte Balder gefeiert haben, und zwar sowohl nach der Wintersonnenwende, als auch jene des Sommers, woher sich unsere Johannisfeuer im Innthale schreiben.“


Verbreitung der Funkenfeuer (rot) und Holepfann-Feuer (blau)
die Hutzlefeuer in Thüringen und Hessen sind nicht verzeichnet

Auch Franz Josef Fischer spricht 1921 in seinem Buch Der Funken und Küachlesonntag in Vorarlberg und Liechtenstein unter anderen die Möglichkeit eines heidnischen Ursprungs an:

„Die heidnischen Ureinwohner des Landes, die keltischen Rhätier, huldigten wie alle indogermanischen Völker der Verehrung des Lichtes und des Feuers, die von der Sonne ausgehen, sie verehrten den Sonnengott Mithra und Baldur als Spender von Helle und Wärme. Der sieghafte Gott überwindet den Sohn des Nordens, den Winter, mit seinem nächtlichen, grausen Spuk und läßt durch seinen milden Frühlingshauch, in den Alpenländern den Föhn, todbannend und lebenwirkend, die Erde neu grünen und sproßen. Diesem Gotte werden Opfer gebracht, Feuer angezündet, festliche Tänze veranstaltet.“


Die heidnische Interpretation wurde im 19. und noch im 20. Jahrhundert auch von der volkskundlichen Wißenschaft stark verbreitet, und ist heute die landläufige Erklärung des Brauches. Die moderne europäische Ethnologie zeichnet ein etwas differenzierteres Bild. Der Volkskundler Matthias Zender führt in einer europaweiten Untersuchung von Feuerbräuchen das Abbrennen des Feuers am Funkensonntag auf noch heute in Oberitalien gebräuchliche Feuer zum römischen Jahresanfang am 1. März zurück. An diesem Tag wurde im alten Rom im Tempel der Vesta das heilige Feuer entzündet. Die Feier soll später, im frühen Mittelalter, in den christlichen Kalender integriert worden sein. Der Ursprung wäre danach zwar ein heidnischer, aber gegebenenfalls römischer Brauch gewesen.
Außerdem diente der Funken zur Verbrennung von Unrat und hatte somit eine überaus profane Funktion, die in Verbindung mit der Frühjahrsreinigung des Hauses und der Wiesen stand.

Mittelalter und frühe Neuzeit
Der erste Beleg für den am Funkensonntag stattfindenden Feuerbrauch stammt aus einem lateinischen Brandbericht des Benediktinerklosters Lorsch aus dem Jahr 1090. Laut Bericht wurde der Brand des Klosters durch eine brennende Holzscheibe entfacht, die die Burschen am Abend des 21. März 1090 geworfen hatten. Weitere Belege aus dem 15. Jahrhundert (Basel), sowie des 16. und 17. Jahrhunderts (Luzern, Bregenz, Innsbruck), belegen die einstige Verbreitung des Brauchs.
Erst mit der Aufklärung wurde er zurückgedrängt. Die Verbrennung einer Hexenpuppe auf dem Funken ist nicht ein Rest der schrecklichen Hexenverbrennungen der frühen Neuzeit, sondern vermutlich erst im 19. Jahrhundert in Anlehnung an die Fasnacht entstanden.

20. Jahrhundert
In jüngerer Zeit erfuhr der Funkenbrauch in Vorarlberg einen starken Aufschwung. Trotz Brennstoffmangels brannten dort überall zahllose Feuer. Der Funken diente in dieser Zeit als Instrument zur Identitätsfindung der Vorarlberger Bevölkerung. Mehr als je zuvor wurde der Funken in Vorarlberg zum Landesbrauch schlechthin, während er in Deutschland ein über seine Region hinaus weitgehend unbekanntes Anhängsel an die Fasnacht blieb. Daher wurden in Deutschland die Funken teils weiterhin von nicht offiziell organisierten Gruppen oder Mitgliedern einzelner Vereine errichtet, teils aber auch von den örtlichen Narrenvereinen organisiert. In Vorarlberg wurden dagegen nun in zahlreichen Gemeinden eigens für die Durchführung des Funkens Funkenzünfte gegründet. Mit der einhergehenden Profeßionalisierung der Durchführung wurden die Funken immer höher und kunstvoller gebaut. Die einzelnen Funkenzünfte entwickelten über die Jahre hinweg unterschiedliche Funkenbauweisen und Begleitprogramme, sodaß heute eine fast unüberschaubare Vielfalt existiert. Ein Problem stellen heute strengere Gesetze zur Sicherheit, Haftung bei Unfällen, und dem Verbrennen von Altholz dar. So erschwert etwa das neue österreichische Bundes-Luftreinhaltegesetz von 2010 auch das Abbrennen von Brauchtumsfeuern.
Der Vorarlberger Funkenbrauch wurde 2010 in die UNESCO-Liste Immaterielles Kulturerbe in österreich (nationales Kulturgut) aufgenommen

Literatur: Funken- und Hutzelfeuer


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