Winternacht und Rubeböhz


Die Winternacht (Vetrnóttablót, Winterfylleth)


Über Festlichkeiten zu Beginn des Winters wird sowohl in den Nord- als auch in den Westgermanischen Überlieferungen seit Alters her berichtet. Das Besondere hierbei ist, daß sowohl im zwei- als auch im dreigeteilten Jahreskreis der Winterbeginn in den zehnten Lunarmonat, d.h. den Weinmond, wie der Oktober früher bezeichnet wurde, fällt. Die vier Monate der Winterzeit sind durch Rausch- und Völlereifeste gekennzeichnet. Das Fest der Winternacht wurde am Vollmond des Weinmondes begangen, dies wir eindeutig bei Beda beschrieben. Dort heißt der Monat bzw. das Fest Winterfylleth, was Wintervollmond bedeutet und bei Beda auch so erklärt wird. In den skandinavischen Quellen wird das Fest als Vetrnóttablót (Winternachtsbloz) bezeichnet. Es gibt auch viele Hinweise im Brauchtum, die auf ein Vollmondfest weisen. So werden im Weinmond ausgehöhlte Rüben und neuerdings auch Kürbisse, die als Rubeböhz oder Moo bezeichnet werden, und den Vollmond versinnbildlichen sollen.


Rubeböhz

Rubeböhz ist ein Wort aus der thüringisch-hennbergischen Mundart. Es würde in hochdeutscher übersetzung soviel wie Rübengeist bedeuten. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um einen Geist bzw. um einen Böhz, sondern um eine ausgehöhlte Futterrübe mit einem eingeschnitzten furchterregenden Gesicht. Damit das Ganze im Dunklen wirklich gruselig wirkt, steckt man noch eine Kerze oder eine Glühlampe hinein.
Unter dem Begriff Rübengeister versammelt sich eine Gruppe von Bräuchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die vor allem Ende Oktober - Anfang November d.h. rund um Allerheiligen hauptsächlich von Kindern auf dem Land ausgeübt werden. Wichtigster Bestandteil dieser Bräuche ist wie gesagt das Aushöhlen von Futter- oder Zuckerrüben, welchen anschließend ein lustiges oder schauriges Gesicht geschnitzt wird. Anders als beim neuerdings in Mode kommenden Halloween verkleiden sich die Kinder beim Umherziehen mit den Rübengeistern nicht. Je nach Brauch ziehen die Kinder in einem Umzug durch die Orte oder stellen die Rüben ins Fenster oder den Vorgarten von Nachbarn und Bekannten, wobei oft Gaben erheischt werden.

Herstellung des Rubeböhzs
Im Allgemeinen werden frisch geerntete Futter- oder Zuckerrüben ausgehöhlt, mit grotesken Fratzen oder Spukgebilden verziert und im Inneren durch eine Kerze erleuchtet. Die Arbeit des Rubeböhz-Schnitzens beginnt schon bei der Auswahl des Rübenkopfes. Natürliche Beulen, Warzen, Höcker und Verwurzelungen werden in die Formgebung mit einbezogen. Teilweise werden nur Mund-, Nasen- und Augenöffnungen in die Rüben geschnitzt. Andernorts ist es üblich die Rüben auch durch unterschiedlich Tiefe Abtragungen der Oberfläche zu gestalten, was allerdings deren Haltbarkeit deutlich verringert. Von diesen Unterschieden in der Verarbeitung hängt es ab, ob das Licht nur durch die Öffnungen wie Mund, Nase und Augen fällt oder ob das ganze Gesicht dämonisch zu leuchten beginnt. Ziel ist eine möglichst gruselige Gestaltung des Rubeböhzs.

Über die Geschichte der kunstvoll gestalteten Rüben
Die Rubeböhze reihen sich ein in die verschiedenen regionalen Licht-, Wärme- und Erntedank-Traditionen. Die Ursprünge des Brauches sind nicht eindeutig geklärt. Jedoch ähnelt das Rübengeistern in seinem heutigen Ablauf stark dem irisch-amerikanischen Halloween, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, daß keine Verkleidungen zum Einsatz kommen. Eine Abgrenzung beider Bräuche ist trotz der vielfach gehörten Behauptung, daß das Rübengeistschnitzen mit Halloween wenig zu tun habe, vielfach kaum noch möglich. Verstärkt wird diese Tendenz durch die Tatsache, daß in jüngster Zeit aufgrund des zurückgegangenen Anbaus von Futterrüben, der wesentlich leichteren Bearbeitbarkeit und der massiven Bewerbung und Kommerzialisierung des Halloween-Festes immer häufiger Kürbisse statt der Rüben zum Einsatz kommen.

Nach dem II. Weltkrieg kam es an mehreren Orten zu einer Professionalisierung und öffentlichen Reglementierung des Rübengeisterns. So existiert seit 1956 anlässlich der im Rottweiler Stadtteil Göllsdorf gefeierten Saukirbe ein Riabagoaschterumzug, wie er auch in Bad Buchau und Ulm-Söflingen und weiteren Orten durchgeführt wird. Die Riabagoaschter werden dabei auf Stangen befestigt und im Rahmen eines Umzugs durch die Straßen getragen. Der Mundartdichter Egon Rieble verfasste dazu ein eigenes Riabagoaschterlied.

Verwandte Bräche in den einzelnen Regionen:

Riabagoaschtern: Baden-Württemberg und Bayerisch Schwaben
In Baden-Württemberg (Oberschwaben) und im Regierungsbezirk Schwaben werden die stark an Larven und Schemmen (Masken) der schwäbisch-alemannischen Fastnacht erinnernden Schreckgesichter nach ihrer Fertigstellung abends von kleinen Kindergruppen von Haus zu Haus getragen. Dabei werden häufig kleine Lieder oder Sprüche vorgetragen, wie zum Beispiel „Wir sind die Rübengeister und geh'n von Haus zu Haus, wir bitten um 'ne Gabe, dann geh'n wir wieder nach Haus!“ aufgesagt.

Kilbesingen: Raumschaft Schramberg
Am vorletzten Sonnabend im Oktober ziehen Kinder mit Laternen und Rübengeistern durch die Straßen von Schramberg und den umliegenden Dörfern und erhoffen sich, durch ihr Kilbesingen ein paar Süßigkeiten, also traditionell Äpfel, Birnen, Walnüsse und „Guzle“ zu verdienen.

Ein Vorarlberger Moo
Bei diesm Brauch wird von Anfang September bis etwa Ende Oktober mit einem geschnitzten Kürbisgesicht - dem so genannten Moo, der an ein Mondgesicht erinnern soll, und eben auch nach dem Mond benannt wurde - von Haus zu Haus gegangen und mit einem Spruch, einem Lied oder einem Gedicht um etwas Süßes gebeten. Im Gegensatz zu Halloween wird hierbei aber keine Rache angedroht, sollte man nichts bekommen. Auch verkleiden sich die Kinder bei diesem Brauch nicht.

Flenntippln: Oberlausitz
Flenntippln ist ein Wort aus der oberlausitzer Mundart. Bei diesem oberlausitzer Brauch höhlen Kinder Futter- oder Zuckerrüben aus und schnitzen ihnen schaurige oder lustige Gesichter. An den Abenden vor Allerheiligen stellen die Kinder brennende Kerzen hinein, ziehen durch die Dörfer und stellen die Flenntippl in Vorgärten von Bekannten und Nachbarn auf. Anschließend klingeln sie und verstecken sich, um beim Entdecktwerden Süßigkeiten zu erhalten.
Der Name leitet sich von den Wörtern flennen für weinen und Tippl für Töpfchen her, da es durch das Flackern der Kerze so aussieht, als würde das Flenntippel weinen.
In den letzten Jahren überlagert das amerikanische Halloween diesen Brauch immer mehr, allerdings gibt es auch Bestrebungen, diese Tradition zu erhalten. So organisieren viele Gemeinden und Freizeitstätten ein gemeinsames Flenntippl-Schnitzen mit anschließendem Umzug.

Rummelbooze: Saarland
Im Saarland ist das Rübengeistern auch verbreitet, die Rübenfiguren werden dort Rummelbooze genannt, was ebenfalls als Rübengeist zu übersetzen ist. Der Rummelbooze wird im Saarland meist vor der Haustür oder auf eine Fensterbank gestellt, damit er von außen gut sichtbar ist.

Kipkapköögels: Ostfriesland
Im Rahmen des protestantischen Martinisingens am Geburtstag Martin Luthers ziehen Kinder mit Laternen herum und heischen um Gaben. Die Laternen - die Kipkapköögels - waren früher aus Rüben geschnitzt.

Dickwurzmann: Mittel- und Oberhessen
In Hessen heißt die ausgehöhlte Rübe Dickwurzmann nach der hessischen Bezeichnung Dickwurz für die Futterrübe. Der Rübe wird oben ein „Hut“ abgeschnitten und das Fleisch von dort aus herausgepult. Auf dem Innenboden wird ein kleines Loch für eine Kerze angebracht und zuletzt der Deckel wieder aufgesetzt und mit Nägeln befestigt. Die Dickwurzlaterne wird am Abend durch die Orte getragen oder einfach im Garten aufgestellt. Getragen wird die Laterne an einem Besenstiel, der in ein Loch am Außenboden der Rübe gesteckt wird.[1]

Rummelnacht/Gloihniche Deuwel: Taunus/Westerwald
In manchen Gegenden, z.B. im Taunus, ist für die ausgehöhlten Dickwurzen auch der Begriff Gliihnische Deijwel (Glühende Teufel) o.ä. gebräuchlich.[2]

Kürbislotter: Steiermark
In der Steiermark gibt es Gegenden mit starkem Kürbisanbau, wo im Herbst ausgehöhlte Kürbisse mit Fratzengesichtern hergestellt werden, die man Kürbislotter nennt.[3] Traditionelle Heischebräuche scheinen damit nicht verbunden zu sein.[4] [5]

Quellen:
[1] Spätherbst in Oberhessen und die Dickwurzköpp Artikel der Gie├čener Allgemeinen vom 24. Oktober 2010, Abruf am 16. November 2010

[2] Wörterbuch auf Hessisch der Gemeinde Heidenrod, Abruf am 16. November 2010.

[3] V. Neumann/C. Rumpf: Kürbisfeste. In: E. Hörander (Hrsg.): Halloween in der Steiermark und anderswo. Münster 2005, S. 167 f. (online)

[4] Rübengeistern bei Wikipedia

[5] s.auch österr. Zeitschr. f. Volkskunde 56 (2002) S. 43, bei GoogleBooks



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